AZ-Report Frauen-Weltmeisterschaft 2019: DFB-Star Sara Däbritz so privat wie nie

Deutschlands Sara Däbritz jubelt nach einem Tor zum 2:0 durch Elfmeter. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Nationalspielerin Sara Däbritz, die zur kommenden Saison vom FC Bayern nach Paris wechselt, ist einer der Superstars bei dieser Frauen-WM in Frankreich. Ein Blick zurück auf ihre Anfänge in Ebermannsdorf.

 

Amberg/München - Die Geschichte der Sara Däbritz beginnt auf einem Nebenplatz in Amberg. Eigentlich saß DFB-Stützpunkttrainer Lutz Ernemann im Stadion am Schanzl, um 15-jährige Talente zu sichten. In der Halbzeit wechselte er auf den Nebenplatz, da spielten die Kleineren. Amberg gegen Ebermannsdorf, Amberg führte 2:0.

"Da sah ich Sara", erinnert sich Ernemann. Ein zehnjähriges Mädchen aus Ebermannsdorf in der Oberpfalz, sie fiel sofort auf. "Sie war kämpferisch wie spielerisch außergewöhnlich. Sara hat das Spiel im Alleingang gedreht", sagt Ernemann. Ebermannsdorf gewann – und Däbritz bekam eine Einladung zur Talentsichtung.

Ab Juli spielt Sara Däbritz für Paris Saint-Germain

14 Jahre später ist Däbritz Europameisterin, Olympiasiegerin, Nationalspielerin. Zurzeit spielt sie mit der DFB-Auswahl um den WM-Titel. In den ersten vier Spielen schoss die 24-Jährige, die zwischen 2015 und 2019 für den FC Bayern kickte, drei Tore, zweimal war sie Spielerin des Spiels. Coca Cola und Nike haben Däbritz für Werbekampagnen engagiert. Im Nike-Spot ist sie als einzige Deutsche zu sehen, neben internationalen Top-Spielerinnen – und Neymar. Der kickt für Paris Saint-Germain, dort wird Däbritz ab Juli auch spielen.

Nochmal 14 Jahre zurück. Bei der Talentsichtung waren neben ihr 95 Kinder. 94 Buben, ein Mädel, alle älter als Däbritz. Nur zwei waren besser als sie, erinnert sich Ernemann. Der Coach schwärmt von ihrem Charakter. Sie sei immer positiv und aufmunternd. "Ein wirkliches Vorbild." In ihrem Jahrgang war sie "immer mit Abstand die Beste", sagt Ernemann. "Sara hat den Ball und den Gegner beherrscht."

Sara Däbritz erster Trainer: "Ihr Hauptding war Fußball"

Bis Sara fünf Jahre alt war, kickte sie auf der Spielstraße vor dem Haus. "Zehn bis fünfzehn Kinder haben mit dem Ball gespielt", sagt Mutter Aurelia Däbritz. Irgendwann habe ein Nachbarsbub zu Sara gesagt: "Du gehst mit zum Verein", erzählt die Mama. Erich Meidinger war Saras erster Trainer, in der G-Jugend bei der SpVgg Ebermannsdorf. "Ihr Hauptding war Fußball", sagt er. Sara habe immer einen Ball dabei gehabt, erzählt Mama Däbritz. "Nach dem Kindergarten, nach der Schule, sie hat immer gespielt." Im Garten jonglierte sie, hielt den Ball mit Füßen, Oberschenkeln und Kopf oben. Zehn Mal, zwanzig Mal, tausend Mal.

Vom Heimatverein ging es zur JFG Vilstal. Obwohl das einzige Mädchen im Team, war Däbritz bald Kapitänin und Torschützenkönigin. Zwei ehemalige Mitspieler erinnern sich an eine "Fußballverrückte. Die Jungs hat sie einfach ausgespielt." SpVgg Weiden, der nächste Schritt. Dort spielte Däbritz unter Trainer Rainer Fachtan. B-Jugend, Bayernliga. Mit Sondergenehmigung, eigentlich dürfen Mädels in dem Alter nicht mehr bei den Burschen ran. Egal, Däbritz ist Spielmacherin. "Sara war immer eine Ausnahmespielerin", so Fachtan: "Keiner hat sie geschont, und sie hat keinen geschont."

Sara Däbritz verlässt mit 16 ihre Heimat

"Sara hatte viele Neider", sagt Fachtan. Gegnerische Spieler, gegnerische Eltern. Doch: Sie hatte einen "eisernen Willen". Fachtan erzählt von seiner ersten Kabinenansprache mit Sara. Da habe sie sich eine Minute lang die Haare mit Haarspray gefestigt. "Die ganze Kabine war eingenebelt." Aber keiner habe etwas gesagt, keiner habe gelacht. "Das war schon auffällig", sagt Fachtan. Jeder habe Sara respektiert.

Nach eineinhalb Jahren wechselte sie zum SC Freiburg in die Bundesliga. "Der Trainer wollte sie unbedingt", sagt Mutter Aurelia. Mit 16 verließ sie die Heimat. Dann kam der FC Bayern. "Das war fast ein Traum", erzählt die Mama, "Sara wollte immer zu Bayern." In der Kindheit war sie oft im Bayern-Trikot unterwegs. Und jetzt also Paris, auch ein Traum.

"Was mir so gefällt, ist ihre Lockerheit"

Selbst die Eltern sind überrascht vom Werdegang der Tochter, sagt Aurelia Däbritz. "Es ist ja alles recht schnell gegangen." Weil sie früh in die A-Nationalmannschaft aufrückte, hätte sie fast die U20 übersprungen – wenn sie nicht bei der U20-WM ausgeholfen hätte. Dort wurde sie Weltmeisterin, schoss in sechs Partien fünf Tore. Trotz aller Erfolge beeindruckt ihre Mutter aber etwas anderes: "Was mir so gefällt, ist ihre Lockerheit."

Däbritz’ Eltern, Mutter Aurelia und Vater Günter, unterstützen ihre Sara, wo es geht. Im WM-Achtelfinale gegen Nigeria, waren die beiden in Grenoble im Stadion. Sara verwandelte beim 3:0 über Nigeria einen Elfmeter. Am Samstag im Viertelfinale geht es gegen Schweden, der Weg der Sara Däbritz geht weiter.

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