AZ-Report Edler altern in Neuperlach

Der breite Aufgang zur Senioren-Residenz ist rollstuhlgerecht. Foto: Martha Schlüter

Mitten im Münchner Problem-Bezirk steht die schicke Senioren-Residenz Georg-Brauchle-Haus. Die Appartements kosten zwischen 1600 und 5000 Euro, Frühstück und Abendessen extra.

 

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, auch in München. Besonders deutlich wird das gerade dort, wo man es nicht erwarten mag: in Neuperlach, im Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Denn mitten zwischen den Hochhäusern am Ostpark steht die Senioren-Residenz Georg-Brauchle-Haus des „Kuratoriums Wohnen im Alter“ (KWA).

Hinter der elektrischen Schiebetür am Haupteingang rahmen Zimmerpalmen eine dunkelblaue Sitzgarnitur ein. Auf den Fluren herrscht reges Treiben. Elegant gekleidete Damen und Herren, einige mit Gehstock oder Rollator, plaudern und lachen miteinander, Paare halten sich an den Händen. Einige scharen sich um den digitalen Bilderrahmen auf dem Empfangstresen. Angetan betrachten sie Fotos von ihrem Ausflug am Vortag, lachen laut, wenn die Anzeige zum nächsten Bild blättert.

Eine der Bewohnerinnen des Georg-Brauchle-Hauses ist Anne Bayerlein. Die kleine, zierliche Frau ist modern und stilvoll gekleidet, trägt silberne Armreifen und eine violette Perlenkette. Dass Anne Bayerlein 79Jahre alt ist, glaubt man kaum. Im Haus wurde sie anfangs für die Tochter einer Bewohnerin gehalten, erzählt sie. Anne Bayerlein ist eine fröhliche Frau, das verraten die zarten Lachfältchen auf ihren Wangen.

Seit drei Jahren lebt sie im Georg-Brauchle-Haus, ein Traum, für den sie ihr Leben lang hart gearbeitet hat. „Mein Mann hat immer gesagt, dass doch eine Halbtagsstelle reichen würde, schließlich hatten wir keine Kinder.“ Dennoch habe sie auf ihre Vollzeitstelle in der Verwaltung bestanden, „damit wir im Alter auch noch leben können“.

Die Atmosphäre der Senioren-Residenz erinnert an ein Hotel. Mit seinem weiten Aufgang und den gestutzten Büschen, die den blass-orangen Neubau mit den bodentiefen Fenstern säumen, unterscheidet sich der Wohnstift deutlich von den vielen grauen Hochhäusern, die das Bild des 16.Bezirks prägen.

14 Prozent der Senioren beziehen in diesem Bezirk laut Sozialreferat Grundsicherung, um über die Runden zu kommen. Jedes Jahr werden es mehr.

Die Mieten im Georg-Brauchle-Haus dagegen können mit dem Münchner Mietpreis-Wahnsinn (AZ berichtet regelmäßig) locker mithalten: Das Ein-Zimmer-Appartement im angrenzenden Bau aus den 1960er Jahren kostet monatlich um die 1600 Euro und ist damit die günstigste Alternative in der gehobenen Residenz.

Die kleinste Wohnung im Neubau kostet bereits 2240 Euro. Etwaige Ausgaben für Pflege sind dabei noch nicht mit eingerechnet. Wer die Dachterrassenwohnung mit drei Zimmern beziehen möchte, muss pro Monat knapp 5000 Euro aufbringen.

Die wöchentliche Reinigung, Heizung und Warmwasser sind im Georg-Brauchle-Haus inklusive, Frühstück und Abendessen werden extra berechnet.

Durch den Sozialauftrag der Stiftung sind sie zwar so weit subventioniert. Doch Altersruhesitze wie das Georg-Brauchle-Haus sind selbst im wohlhabenden München nicht für jeden erschwinglich, schon gar nicht im sozial schwachen Südosten.

Mit knapp 2000 Euro liegt die Residenz zwar noch im Schnitt anderer Seniorenheime in Neuperlach. Während die Preisspanne im Georg-Brauchle-Haus hier jedoch erst beginnt, ist das finanziell zu stemmende Limit damit in anderen Einrichtungen bereits erreicht.

Von ihrem Sonnenbalkon aus blickt Anne Bayerlein auf den Brunnenhof, in dem sie im Sommer mit Freundinnen Latte Macchiato trinkt. Erst vor wenigen Wochen wurden die großen Blumenkübel von dort zum Überwintern in den Sauna-Bereich gebracht. ...weiter auf Seite 2

 

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