Wie die Banden vorgehen Hochsaison im Herbst: So schützen Sie sich vor Einbrechern

Fenster oder Türen mit einem Brecheisen aufzuhebeln, ist die gängigste Einbruchsmethode. Foto: dpa

Im Herbst ist die Gefahr besonders groß: Die Täter machen immer mehr Beute - und Banden verkaufen sogar besonders "erfolgreiche" Diebinnen für viel Geld.

 

Die Tage werden kürzer - und Einbrecher aktiver: Mit Beginn der kalten Jahreszeit rechnet die Polizei in den kommenden Monaten wieder verstärkt mit Einbrecherbanden, die den Schutz der frühen Dunkelheit ausnutzen. "Gerade im Winter haben wir es oft mit Banden zu tun. Diese Tätergruppen reisen nur für wenige Tage an, haben aber eine hohe Schlagzahl", sagt Reinhold Bergmann, Vize-Chef des Dezernats, das bei der Münchner Polizei für Bandenkriminalität und Einbrüche zuständig ist.

Ab Sonntag startet eine bundesweite Kampagne für mehr Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Die Münchner Polizei bietet eine Vielzahl kostenloser Info-Veranstaltungen an (siehe unten).

Zwar sind die Einbruchszahlen in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen - von 190 vollendeten Einbrüchen pro 100.000 Einwohner im Jahr 1997 bis zu 84 im vergangenen Jahr - doch die Täter machen fettere Beute: "Von 2015 bis 2016 hat sich der materielle Schaden verdoppelt", sagt Reinhold Bergmann.

Geld, Gold, Schmuck und alles, was sich gut weiterverkaufen lässt und einfach abzutransportieren ist, wird mitgenommen. Im vergangenen Jahr waren dies allein in München Gegenstände im Wert von zehn Millionen Euro. "Es ist ein Wahnsinn, wie viel Geld manche zuhause aufbewahren", sagt Heinrich Hauner, Chef der technischen Prävention im Polizeipräsidium.

Besonders erfolgreiche Diebinnen werden für 140.000 Euro verkauft

Die Aufklärungsquote ist mit 14 Prozent eher gering. Wen es einmal getroffen hat, der hat oft nicht nur unter dem materiellen Schaden zu leiden. Depressionen, Angstzustände oder posttraumatische Belastungsstörungen können die Folge sein: Die Menschen fühlen sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher.

Im bundesweiten Vergleich sind die Münchner noch verhältnismäßig gut dran. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in Hamburg Besuch von einem Einbrecher bekommt, ist fünf Mal so hoch. In Köln oder Berlin ist das Risko vier Mal höher, in Frankfurt drei Mal.

Ein Grund, warum Einbrecherbanden hier nicht ganz so häufig wie in anderen deutschen Großstädten unterwegs sind, ist wohl, dass sowohl das Entdeckungsrisiko als auch die Strafe höher ist. "In der Regel müssen Einbrecher in Bayern für mindestens zwei Jahre hinter Gitter", sagt Stefan Kastner von der Verbrechensbekämpfung im Polizeipräsidium.

Um noch mehr Täter davon zu "überzeugen, besser einen großen Bogen um München machen, brauchen wir aufmerksame Menschen".

Denn die beste Versicherung gegen Einbrecher sind immer noch Nachbarn, die die Augen offen halten und im Fall der Fälle schnell reagieren: Durch Zeugenhinweise wurden im vergangenen Jahr in München 102 Einbrüche verhindert und 24 Verdächtige gefasst. Bayernweit blieben 366 Einbrüche im Versuchsstadium stecken. 77 Täter gingen der Polizei ins Netz - nur, weil Zeugen sofort die Polizei alarmierten.

Möglichst genaue Täterbeschreibungen, Autotypen, Fluchtrichtung und im besten Fall sogar das Autokennzeichen helfen bei der Fahndung.

Gerade die Banden, die in den dunklen Wintermonaten aktiv sind, kommen oft aus anderen Ländern. Laut Polizei stammen sie häufig aus Osteuropa. In jüngster Zeit wurden aber auch Täter aus südamerikanischen Ländern wie Chile, Mexiko oder Kolumbien gefasst.

Bereits seit fast zwei Jahren ermittelt die Polizei gegen einen Clan mit rund 500 Mitgliedern. Vier Hintermänner und eine Frau wohnten in Kroatien. Mittlerweile sitzen sie in deutscher U-Haft. Aufgeflogen war die Bande, als im Januar 2016 einer Streife drei Mädchen aufgefallen waren, die eine Haustür aufbrechen wollten. Sie wurden festgenommen, die jüngste war erst 14. Mittlerweile wurden alle zu zwei Jahren bzw. 2,5 Jahren Haft verurteilt.

Besonders junge Mädchen auf Einbruchstour zu schicken ist oft Usus. Reinhold Bergmann: "Die besonders erfolgreichen werden von den Großfamilien für Summen von 140.000 bis 150.000 Euro weiterverkauft."


Einbruchsschutz: Hier gibt es Infos und Geld

In etwa der Hälfte aller Fälle ziehen Einbrecher unverrichteter Dinge wieder ab – weil sie gestört werden oder scheitern. Die Polizei rät:

  • Schließen Sie immer Türen und Fenster (auch gekippte), bevor Sie aus dem Haus gehen.
  • Bei verdächtigen Wahrnehmungen den Notruf 110 rufen!
  • Vor dem Urlaub darauf achten, dass nicht jeder erkennt, dass niemand zuhause ist: Briefkasten leeren lassen, dafür sorgen, dass Licht betätigt wird!

Bis zum 29. November informiert die Polizei in Einkaufszentren, Kantinen und auf öffentlichen Plätzen zum Thema Schutz gegen Einbrecher. Telefonische Beratung gibt's von Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr unter 089 2910-3695. Auch Vor-Ort-Termine können vereinbart werden. Wartezeit: etwa 2 Monate.

"Technischer Einbruchschutz wird ab einer Investitionssumme von 500 Euro bis 1.000 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert", sagt Experte Heinrich Hauner von der Polizei. Infos sowie die Veranstaltungsorte zum Einbruchschutz unter: www.k-einbruch.de

 

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