AZ-Meinung Unanständig

Horst Seehofer versucht jetzt mit einem alten Bauerntrick die Wähler zu besänftigen Foto: dpa

Die AZ-Landtagskorrespondentin Angela Böhm über die CSU-Verwandtenaffäre

 

Man könnte fast denken, Horst Seehofer hat’s immer noch nicht kapiert: In der Politik geht es nicht nur um Recht und Ordnung, sondern vor allem um Anstand und Sitte. Dass sein Landwirtschaftsminister und zwei seiner Staatssekretäre noch kurz vor Torschluss ihre Frauen mit einem Arbeitsvertrag auf Kosten der Steuerzahler versorgt und damit abgezockt haben, war rechtlich in Ordnung. Aber es ist höchst unanständig. Das weiß auch Seehofer. Und unanständige Leute in der bayerischen Staatsregierung will nun wirklich keiner haben.

Genau das aber ist der springende Punkt. Seehofer scheut die Konsequenzen. Wenn er drei Kabinettsmitglieder austauschen muss, kann er seine Regierung gleich auflösen und Neuwahlen ausrufen. Es wäre das Ende der CSU-Regierung in Bayern.

Die Christsozialen sind mit ihren Familienunternehmen in der Wählergunst bereits abgestürzt. Hat Seehofer bisher bei jeder Gelegenheit sein Umfrage-Hoch sofort verkündet, herrscht nun das große Schweigen bei dem Tief, in dem seine Partei versinkt.

So versucht es der ausgebuffte Zocker jetzt lieber mit einem alten Bauerntrick. Seehofer präsentiert sich wieder mal als Oberaufklärer und Richter. Die Beschäftigungsverhältnisse ließ er von einem Ex-Staatsanwalt ins Visier nehmen. Dabei war der Ausgang der Ermittlung schon von Anfang an klar: Rauskommen darf nix! In Ordnung war alles! Jetzt müssen’s nur noch die Wähler auch glauben.

 

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