AZ-Meinung Pro & Kontra: Promille-Grenze für Radler runter?

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Die AZ-Redakteure Matthias Maus und Julia Lenders über die Frage, ob die Promille-Grenze für Radler gesenkt werden soll

 

Pro von Matthias Maus:

Menschen sind verschieden, aber mit 1,6 Promille ist keiner mehr fit für den Straßenverkehr. Und weil an dem auch Radfahrer teilnehmen, ist eine Korrektur der Promille-Grenze sinnvoll. Nun könnte man sagen, mit dem Rad könne der Mensch nicht so viel Schaden anrichten wie mit einem hunderte PS-starken Auto.

Das mag statistisch stimmen. Aber alkohol-bedingter Übermut und promille-seelige Verantwortungslosigkeit erhöhen das Risiko für die von Natur aus ohnehin selbstbewussten Radler allemal. Und sei es nur, wenn man „vergisst“, das Licht einzuschalten. Man muss keine folgenreichen Unfälle für Andere konstruieren. Die Gefahr für den trunkenen Radler selbst reicht aus.

Radler sind nicht die besseren Menschen, aber die schutzloseren. Schon aus diesem Grund tut der Gesetzgeber gut daran, hier nachzubessern. Alkohol im Straßenverkehr ist grundsätzlich gefährlich, ob am Steuer oder am Lenker.

Kontra von Julia Lenders:

Bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit schärferer Alkoholregeln für Radler sollten die Innenminister eines nicht vergessen: Es ist in keiner Weise vergleichbar, ob jemand nach einer feucht-fröhlichen Nacht heimradelt. Oder sich betrunken ans Steuer eines Autos setzt.

Ein Auto kann leicht zu einer tödlichen Waffe werden. Dagegen gefährdet man mit dem Radl bei einer Rauschfahrt zu nachtschlafener Zeit normalerweise höchstens sich selbst – wenn die Bordsteine plötzlich viel höher und die Kurven viel schärfer wirken als sonst.

Daher sollte der einzelne Radler auch die Verantwortung für sich selbst tragen dürfen. Und ohne weiter gehende staatliche Bevormundung entscheiden dürfen, ob er sich zutraut, sicher auf seinem Drahtesel nach Hause zu treten. Oder ob er das Radl doch lieber stehen lässt – und sich ein Taxi leistet.

Ein bisserl Vertrauen in die eigenen Bürger schadet nichts. Vor allem wenn sie nicht Böseres im Sinne haben als einen Wirtshausbesuch.

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