AZ-Meinung Pro & Kontra: Fleischloser Tag in der Kantine?

Die AZ-Redakteure Arno Makowsky und Volker Isfort über die Forderung der Grünen nach einem „Veggie-Day“ pro Woche in Kantinen.

 

PRO von Arno Makowsky

Im Gegensatz zum geschätzten „Contra“-Kollegen bin ich kein Vegetarier. Trotzdem finde ich die Initiative der Grünen gut. Warum? Weil ich zu viel Fleisch esse, so wie die meisten von uns. Und das, auch wie die meisten, ohne lang darüber nachzudenken. Vor die Alternative Brokkoliauflauf oder Wiener Schnitzel gestellt, greife ich sofort zum Schnitzel. Obwohl ich natürlich weiß, dass Brokkoli viel gesünder ist und auch ganz gut schmeckt. Gäbe es nur Gemüse, würde ich das Schnitzel wohl kaum vermissen.

Die Forderung nach einem „Veggie-Day“ in Kantinen ist keine Bevormundung, sondern ein sinnvoller Vorschlag. Wer sein Menschenrecht auf Fleisch auch an diesem Tag wahrnehmen will, kann ja in der Mittagspause zur Imbissbude gehen. Alle anderen dürfen am fleischfreien Tag das Gefühl genießen, nicht nur für die Gesundheit etwas zu tun, sondern auch im Sinne des Tier- und Klimaschutzes zu handeln. Für ein normales Mittagessen ist das doch ganz okay.

KONTRA von Volker Isfort

Im Sommerloch gedeihen bekanntlich die absonderlichsten politischen Blüten. Jetzt wollen also die Grünen einen fleischfreien Tag einführen, ähnlich dem sehr kurzlebigen autofreien Sonntag in den 70ern. Das klingt zwar zunächst vernünftig, doch Politik, die auf den Teller oder Magen zielt, ist vielen Menschen suspekt. Sie wollen besonnen regiert, nicht aber erzogen, zwangsbeglückt oder bevormundet werden. Vor allem, wenn wie in diesem konkreten Fall durch Streichungen von Milliarden Subventionen an Massenzüchter und Fleischfabrikanten ebenso konkret Ergebnisse erzielt werden könnten. Dazu bräuchte es aber eine Menge Mut und Überzeugungskraft, sich gegen Agrarlobbyisten durchzusetzen.

Persönlich habe ich die fleischfreien Tage seit eineinhalb Jahren auf die ganze Woche ausgedehnt, freiwillig, ganz ohne politischen Druck, aber mit wachsender Überzeugung – auch wenn die Grillabende dadurch nicht spannender geworden sind.

 

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