AZ-Meinung Leidenschaft, Gier, Stolz

"Guardiola muss den Verein jetzt nicht mehr neu erfinden." Der AZ-Sportchef Gunnar Jans über den Triumph in der Champions League.

 

Der „Fußball-Gott“, den Jupp Heynckes am Tag vor dem Finale pathetisch beschwor und um Hilfe bat, hat sie also erhört. Es gibt sie am Ende doch, die Gerechtigkeit im Fußball, diesem unberechenbaren, oft so grausamen Spiel. Und dabei geht es weniger darum, dass der FC Bayern den deutschen Abend von Wembley zwar glücklich, aber verdient gewonnen hat – sondern dass sie endlich an der Reihe waren beim dritten Finale in vier Jahren. Weil es nach dieser Rekordsaison voller Leidenschaft und mit einer nie zuvor erlebten Dominanz gar keinen anderen Sieger geben durfte.

Ein neuerliches Drama hätte den Verein zwar nicht gebrochen, wohl aber auf Jahre traumatisiert. Und der „Generation Schweinsteiger-Lahm“ Blech statt Gold als ewiges Anhängsel eingebrockt. Jetzt aber haben die beiden Geschichte geschrieben und dürfen guter Dinge sein, dass sie diese bei der WM im nächsten Jahr noch vollenden können.

Heynckes hat den FC Bayern und seine Spieler von einem Trauma erlöst, aber seinem Nachfolger hat er keinen Gefallen getan. Er hat kurz vor der Pension nicht nur den Pott geholt, er hat auch noch Öl ins Feuer gegossen, so oft wie er betont, dass er Pep Guardiola eine „absolut intakte Mannschaft hinterlasse“, die „Einzigartiges geleistet“ habe. Und doch wird der Spanier froh sein, dass der Druck nicht noch größer, schier unermesslich geworden ist. Nun kann Guardiola auf dem besten Fundament, das Europas Fußball zu bieten hat (sportlich wie auch finanziell), etwas Neues aufbauen – aber er muss den FC Bayern nicht mehr gänzlich neu erfinden. Er muss nur den Stolz pflegen, den sie nun empfinden.

Der FC Bayern wird gefräßig bleiben, das haben die jüngsten Transfer-Coups gezeigt, und auch seine Gier behalten, dafür stehen Schweinsteiger & Co. – wenn Pep jetzt für frischen Zauber sorgt und für stete Innovationen, braucht’s keinen Fußball-Gott mehr. Die neue Bayern-Ära, sie hat schon begonnen.

 

3 Kommentare