AZ-Meinung Keine Schnösel-Stadt!

Können die Politiker so wenig tun, wie sie immer behaupten? Der AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über den Wohnwahnsinn in München. Foto: imago

„Wohn-Wahnsinn“ heißt unsere AZ-Serie – treffender kann man wohl kaum bezeichnen, was sich in dieser Stadt täglich abspielt. Ganze Stadtviertel wie die Au oder das Westend verändern ihr Gesicht. Wer seit Jahrzehnten zur Miete wohnt, kann sich plötzlich sein Domizil nicht mehr leisten und muss ausziehen. Häuser, in denen alteingesessene Münchner leben, mutieren zu Spekulationsobjekten. Schließlich gibt es Leute, die bereit sind, dafür fast jeden Preis zu bezahlen.

 

Was Soziologen als „Gentrifizierung“ bezeichnen, ist die dramatischste und verheerendste Entwicklung, die eine Großstadt nehmen kann. In einem München, das vor allem von reichen Schnöseln bevölkert wird, möchte ich nicht mehr leben. Eigentlich wundert man sich fast, warum sich nicht mehr Betroffene zusammentun, demonstrieren, auf die Barrikaden gehen. So wie in Berlin, wo die wütenden Kundgebungen zum 1. Mai auch ein Statement gegen die Zerstörung der Stadt durch Spekulanten waren. Prenzlauer Berg oder Obergiesing – es ist überall das gleiche. Vielleicht sehen es die Münchner nur etwas gelassener, weil sie das Phänomen schon seit langem kennen.

Was man dagegen tun kann? Ist der Spielraum der Verwaltung und der Kommunalpolitik wirklich so gering, wie immer behauptet wird? Die AZ bringt Politiker, Anwohner und Bauträger an einen Tisch. Bei einer Podiumsdiskussion am kommenden Mittwoch. Reden Sie doch auch mit!

 

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