AZ-Meinung Horst Seehofer: Extralaut im Abseits

Der CSU-Chef hatte viele schöne Pläne. Bayern sollte Vorreiter bei der Energiewende werden. War alles am Ende nur heiße Luft? Foto: dpa

Horst Seehofer spekuliert auf die Wählerstimmen der Wutbürger. Anja Timmermann über die Stromtrassen-Pläne des Ministerpräsidenten.

 

Wenn sich der große Populist da mal nicht verrannt hat: Mit seiner Forderung nach einem Moratorium für die Stromtrassen gerät Horst Seehofer immer mehr ins Abseits. Es fängt damit an, dass sie längst beschlossen sind, auch mit seiner Stimme übrigens. Sie jetzt wieder aufzuhalten, ist – erst recht für einen Einzelkämpfer – kaum noch möglich, so sehr er wegen der Kommunalwahlen einen anderen Eindruck vermitteln möchte. Das hat auch die Kanzlerin kühl und knapp deutlich gemacht: Was auch immer sich der Seehofer da jetzt schon wieder Neues überlegt hat, es ändert nichts.

Den Mangel an Durchsetzungsmöglichkeiten versucht Seehofer durch Rumgeholze zu übertönen: Die Kritiker seien doch ortsunkundig. Man muss nicht übertrieben ortskundig sein, um zu wissen, dass Bayern nicht am Meer liegt (nein, leider, der Chiemsee zählt in diesem Zusammenhang nicht). Also braucht es Strom, wenn die jetzt 50 Prozent Atomstrom wegfallen, und der muss halt irgendwie von der Küste herkommen, erst recht, wenn Seehofer auch die hiesige Windkraft bremst.

Seehofer spekuliert auf die Stimmen der wütenden Anrainer. Aber da hat sich der große Bürgerwillen-Interpret womöglich verkalkuliert: Denn nicht alle Bürger wollen das Gleiche. Falls die Trasse den Anwohnern zuliebe nicht käme, blieben als Option: noch viel teurere Strompreise (wenn die Leitung unterirdisch gelegt wird), zurück zur Atomkraft, massive Stromausfälle oder aber Kohlekraftwerke in Bayern.

Ob Seehofer dafür noch viel Beifall kriegt?

 

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