AZ-Meinung Gefahr für Franziskus - die Sexual-Umfrage

Der Papst muss beweisen, ob er Reformen umsetzen kann - der Chefreporter Matthias Maus über die Vatikan-Umfrage zur Sexualmoral der Katholiken

Wer nicht fragt, bleibt unwissend. Und wer fragt, der bekommt Antworten. Viele im kirchlichen Adel in Rom und anderswo wären sicher lieber ahnungslos geblieben angesichts der Aussagen, die den Bischöfen jetzt auf die edlen Schreibtische flattern.

Es ist das Verdienst diese ungestümen Papstes, dass er alte Grenzen sprengt, dass er eine „verbeulte Kirche“ nicht fürchtet, und dass er lieber Klarheit hat als Ignoranz. Die Fragen zur Sexualmoral weisen über das eigentliche Thema hinaus. Die Antworten belegen, das gläubige Katholiken genauso befremdet sind von der erstarrten Politik der Kirchenoberen wie die weniger Gläubige und Nicht-Katholiken.

Es ist nichts weniger als ein Armutszeugnis, ein Nachweis vollkommen Abgehobenheit, den die konservativen Hardliner verarbeiten müssen. Wie werden sie es verarbeiten?

Franziskus ist populär, ein Star, Mann des Jahres 2013. Aber diese Umfrage kann ihm gefährlich werden. Nach dieser Diagnose müsste der Pontifex die Therapie anstoßen, und das wird vielen im Machtapparat der Kurie weh tun. Dort ist man keineswegs so begeistert von Franziskus mit seinen sympathisch-menschlichen Gesten. In keiner großen Organisation hört es die Führungsriege gern, dass sie Teil eines Problems ist und nicht Teil der Lösung.

Echte Reformen hat Franziskus noch nicht angepackt. Es muss sich jetzt zeigen, ob er die Kraft hat, diese auch anzugehen – und die Verbündeten.

 
 

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