AZ-Meinung Eine Sisyphos-Aufgabe

AZ-Redakteur Michael Heinrich über das Problem der Alters-Diskriminierung

 

Ein junges Pärchen bekommt keine Wohnung, weil es zu jung ist. Ein altes Ehepaar bekommt keinen Kredit, weil es zu alt ist. Das sind nur zwei alltägliche Beispiele von ganz vielen, wie Menschen diskriminiert werden – wegen ihres Alters. Zwar gibt es in Deutschland (erst) seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das unter anderem zum Ziel hat, Benachteiligungen aufgrund des Alters „zu verhindern oder zu beseitigen“. Doch das scheint leichter gesagt als getan.

So ist nach dem AGG die Formulierung „für ein junges Team“ in einer Stellenanzeige unzulässig, kommt aber oft vor. Auch dürften jüngere Arbeitnehmer nicht mehr aufgrund ihres Alters bei Urlaubsansprüchen benachteiligt werden – aber auch das ist tägliche Praxis in den Betrieben.

Deswegen ist es löblich, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes jetzt einen Aktionsplan gegen Altersdiskriminierung ins Leben gerufen hat. Ein besonderes Augenmerk sollten die Initiatoren aber auf die immer zahlreicher werdende Generation 60+ richten, denn für sie wird der Diskriminierungsdruck gewaltig zunehmen.

Immer mehr Alte werden keinen altersgerechten Wohnraum oder keinen Platz im Altenheim mehr finden. Über immer mehr Alte wird die moderne Technik hinweg rasen. Immer mehr Alte werden dem Druck des immer noch mehr um sich greifenden Jugendwahns ausgesetzt sein. Eine wahre Sisyphos-Aufgabe für die Anti-Diskriminierer.

 

3 Kommentare