AZ-Meinung Ein gutes Gefühl

Not-Aus: Das Kraftwerk Isar 1 wurde endgültig vom Netz genommen Foto: dpa

AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über die Atomwende in Deutschland

 

Erstaunlich, wie wir Menschen funktionieren: Im Kopf sind Bilder und Gefühle gespeichert, wir müssen sie nur abrufen. Die Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima, die Fotos vom rauchenden Reaktor: Im März 2011 haben wir sie angstvoll angeschaut. Und heute? Ein Blick – und das Gefühl ist wieder da. Kommt die Wolke auch zu uns? Müssen wir wieder Lebensmittel horten, wie damals nach Tschernobyl? Die Bilder liegen auf der Festplatte im Gehirn.

Das Ende der Atomkraft ist eine Folge der Bilder und der Ängste

Und sie haben ihre Wirkung entfaltet: Es war eine Folge dieser Bilder, dieser Ängste, dass die Atomkraft in Deutschland ihrem Ende zugeht. Die älteren Atomkraftwerke sind schon abgeschaltet, im Jahr 2022 soll der letzte Reaktor vom Netz gehen. Die Bundeskanzlerin hat die kurz vorher beschlossene Laufzeitverlängerung wieder zurückgenommen – gegen den Vorwurf, inkonsequent zu sein. Ich glaube, das war eine ihrer besten Entscheidungen.

Auch wenn auf dieser Welt natürlich weiterhin Atomkraftwerke gebaut werden und die Wende zu erneuerbaren Energieformen alles andere als einfach ist: Wir Deutschen können auf unserer menschlichen Festplatte ein ganz neues Gefühl abspeichern – ein Vorbild zu sein.

 

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