AZ-Meinung Dritte Startbahn: Heißes Eisen

Die Flugzahlen gehen zurück und das Urteil ist bis auf weiteres nur ein Stück Papier. Foto: dpa

Der Chefreporter Matthias Maus über das Urteil zur dritten Startbahn. Wann wird da was durch wen realisiert?

München - Eine interessante Situation. Es ist ein eindeutiges Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, und die Startbahnbefürworter hätten Grund zu jubeln. Aber die verhaltenen Äußerungen der Sieger und die entrüsteten Reaktionen der Gegner sprechen Bände.

Das Urteil ist ein Wechsel auf eine ungewisse Zukunft. Vor den Kommunalwahlen wird sich gar nichts rühren. Und selbst nach dem 16. März wird zumindest viel Zeit ins Land gehen, bis ein neuer Stadtrat sich an das heiße Eisen Startbahn rantraut – wenn überhaupt.

Sofort nach dem Urteil beteuerten alle aussichtsreicheren Kandidaten, wie sehr sie sich an das Votum des Bürgerentscheids von 2012 gebunden fühlen. Angesichts der frischen Erfahrungen mit dem Bürgerwillen nur allzu verständlich. Die Eruptionen nach dem Urteil im Gerichtssaal sind nicht zu verallgemeinern. Die Erfahrungen mit den Olympia-Abstimmungen schon eher. Die Abneigung gegen Großprojekte ist durch Stuttgart, Hamburg und Berlin eher noch gewachsen.

Aktuell und in absehbarer Zukunft würden die Münchner nicht für die Startbahn stimmen. Und dass sich ein neu gewählter Stadtrat über die Bürger hinwegsetzt, ist erst recht nicht vorstellbar. Eine neue Faktenlage, auf die CSU-Kandidat Josef Schmid setzt, wird sich frühestens in Jahren ergeben. Aktuell sind die Flugzahlen rückläufig – kein gutes Argument für die Startbahnbauer. Das Urteil ist bis auf weiteres ein Stück Papier. Mehr nicht.

 

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