AZ Meinung Brot für den Tank

Die AZ-Redakteurin Anja Timmermann über den Krisengipfel zum Biosprit

 

München Der Benzingipfel heute hat vor allem ein Ziel: E10 zu retten. Ob er das nun schafft oder nicht – schon das Ziel ist fragwürdig. Der Biosprit ist die falsche Antwort auf die richtige Frage: Wie können wir die Abhängigkeit vom Öl verringern?

Dabei ist das größte Problem beim E10 weniger die Verträglichkeit. Da herrscht derzeit einfach noch viel Unsicherheit und Unwissenheit; auch weil die Mineralölbranche die Einführung samt Aufklärung, weil aufgezwungen, so lustlos wie möglich betrieben hat.

In Brasilien ist seit Jahren sogar E20 der Standardsprit, und die deutschen Autos dort vertragen ihn problemlos. Das viel gravierendere Problem ist der Konflikt Tank gegen Teller. Denn E10 ist auch ökologisch fragwürdig.

Dank hoher Subventionen bauen die Bauern nun lieber Getreide an, das an Autos verfüttert wird, als Nahrungsmittel für Menschen. Das treibt bei uns die Lebensmittelpreise in die Höhe, und in armen Ländern sorgt es für Hunger.

Nochmal: Die Idee, weniger Öl zu verbrauchen, ist ja richtig. Aber: Mit Biosprit sorgen wir dafür, dass ein Schlitten, der bisher elf Liter Super verbraucht, nun zehn Liter Super plus einen Liter verarbeitetes Getreide in die Luft bläst.

Besser wär’s, er würde gleich nur zehn Liter verbrauchen. Oder fünf. Sprich: C02-Ausstoß senken, am besten durch eine konsequente Besteuerung nach C02-Verbrauch, Förderung von anderen Antrieben (Hybrid, Erdgas), kluge Verkehrskonzepte. Das macht Sinn, das ist zukunftsorientiert. E10 nicht.

 

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