AZ- Meinung Anja Timmermann: Mythen des Essens

Die AZ Redakteurin Anja Timmermann schreibt über verklärte Bio-Lebensmittel.

 

Diese Studie schreckt viele auf: Bio ist nicht wirklich gesünder. Und warum kauf ich dann das teure Zeug?, werden sich viele fragen. Da drängt sich die Gegenfrage auf: Wem will ich was Gutes tun mit dem Bio-Produkt? Mir selbst – oder meiner Umwelt und den Tieren? Wenn ich es für meine eigene Gesundheit (und die meiner Mitesser) tue, dann sind die Erkenntnisse in der Tat ernüchternd. Nur bei Pestiziden schneidet die Bioware etwas besser ab; ansonsten sind die Unterschiede bei positiven Dingen wie Vitaminen oder Nährstoffen und bei negativen Dingen wie Salmonellen extrem gering.


Anders ist es, wenn ich Bio kaufe, um Tiere und Umwelt zu schonen: Dann ist die grüne Ware tatsächlich besser. Wobei „besser“ nicht „ideal“ bedeutet: Ein konventionelles Schwein hat 0,65 Quadratmeter zur Verfügung, ein Bioschwein 1,3 Quadratmeter plus Recht auf Auslauf. Nicht mehr, nicht weniger. Es lebt nicht unbedingt auf einer Almwiese mit Alpenpanorama, bis es friedlich einschläft. Wer „bio“ so idyllisch verklärt hat oder wer „bio“ als persönliche Beruhigungspille kauft, weil man sich dann ja automatisch gesund ernährt, der muss umdenken. Denn, wie die Forscher auch festhalten: Natürlich ist frisches Gemüse – egal welcher Herstellung – gesünder als die Bio-Leberkässemmel und danach die Bio-Nussschnecke.


Wobei die Studie auch kein Appell ist, wieder nach Herzenslust zum 80-Cent-Wasserschnitzel zu greifen. Qualität ist das Zauberwort. Wenn einem die Umwelt und der eigene Körper das wert sind.

 

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