AZ-Meinung An der Realität vorbei

Die Kinderlosen-Abgabe ist ein plumper Vorschlag von der Jungen Gruppe der CDU/CSU. Passt zu deren Sprecher Marco Wanderwitz, der seinem Namen schon 2010 alle Ehre machte, als er mit einer Dicken-Abgabe hausieren ging.

 

Jetzt kriegt er viel Beifall. Abgesehen davon, dass Kinderlose mehr Steuern und mehr Pflegeversicherung zahlen: Das Ärgerliche an dem Vorschlag ist nicht, dass Familien unterstützt werden sollen. Das ginge mit steuerfinanzierter Förderung gerechter, Gutverdiener, die statistisch öfter kinderlos sind, können da zur Kasse gebeten werden. Das Ärgerliche ist, dass spalterisch ein Strafzettel propagiert wird.

Ausgestellt von einer Partei, die die Misere traditionell mitbefördert hat und noch heute an der Lebenswirklichkeit von Müttern vorbeipolitisiert. Vorneweg Christine Haderthauer, die für eine Abgabe ist. „Wir müssen wieder in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der es nicht völlig egal ist, wie man lebt.“

Sagt eine Frau, die auf das unsinnige Betreungsgeld pocht, das letztlich eine Strafe für berufstätige Mütter ist und das besonders Kindern aus sozial schwachen Familien schadet. Eine Frau, die weiß, dass der Anspruch auf einen Kindergartenplatz ab 2013 nach jahrzentelangem Aussitzen nicht zu realisieren ist.

Und: In diesem Staat ist es eben nicht egal, wie man lebt. Denn es kriegen immer noch Verheiratete ohne Kinder Steuergeschenke. Und das, obwohl jedes dritte Kind außerehelich zur Welt kommt. Aber ans Ehegattensplitting traut sich keiner ran.

 

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