AZ macht den Test "Leicht-Mobil": Fährt hier das Elektro-Auto der Zukunft?

AZ-Reporterin Emily Engels hat das "ACM City" getestet. Foto: Daniel von Loeper

"ACM City" heißt der hochmoderne Prototyp, der bei einem Forschungsprojekt in München enstanden ist. Wie fährt sich das 650 Kilogramm leichte E-Auto? AZ-Reporterin Emily Engels hat es im Test herausgefunden – und hat einige Verbesserungswünsche.

 

Fast emissionsfrei soll das E-Auto sein, so wenig wie möglich wiegen und im Idealfall 24 Stunden am Tag unterwegs sein, statt Parkraum zu beanspruchen. Denn der ist in Großstädten wie München Mangelware. Das sind die Ansprüche der Akteure des Forschungsprojektes "Adaptive City Mobility" (ACM), das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 13 Millionen Euro gefördert wurde. Zehn Partner haben weitere elf Millionen Euro beigesteuert. Die Ergebnisse haben die Partner gestern der Presse am Domagkpark vorgestellt.

Einer dieser Partner ist die Green City AG. Mobilitäts-Expertin Jessica Le Bris von Green City erklärt: "90 Prozent der Zeit stehen Autos einfach in der Stadt rum, werden nicht genutzt. Unsere Frage war, wie wir eine möglichst hohe Auslastung erreichen."

Bei der Entwicklung des 650 Kilogramm leichten E-Autos "ACM City" habe man sich primär nicht auf Privatnutzer konzentriert, sondern auf Geschäftskunden. "Die E-Autos sollen als Dienstwagen genutzt werden, allerdings von verschiedenen Kunden", erklärt Le Bris. Denn je nach Branche wird das Auto zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten benötigt.

Ein Beispiel: Ein Anbieter kauft eine Flotte von 500 E-Fahrzeugen. Pflegedienste, Taxifahrer, Handwerker, Sicherheitsdienste oder Logistik-Dienstleister melden sich alle bei dem Anbieter an.

In einer App können die Nutzer verschiedene Verträge abschließen, das Auto zu bestimmten Tageszeiten, an verschiedenen Wochentagen oder auch spontan reservieren.

"Auf diese sehr unterschiedlichen Nutzungsarten haben wir den Fahrzeugtypen angepasst", erklärt Jessica Le Bris. Das Auto hat vorne nur einen Sitz, die hinteren zwei Sitze lassen sich einfach herausnehmen – sodass das E-Auto an einem Tag erst Personentaxi ist und danach in ihm Pakete transportiert werden können. Durch den schnellen Batteriewechsel kann das E-Auto 24 Stunden am Tag im Einsatz sein. Theoretisch kann es auch daheim über die Steckdose tanken – das dauert dann sieben Stunden.

"ACM City" wurde vor zwei Wochen vom TÜV zugelassen. Bevor es auf die Straße kommt, müssen jedoch Hersteller – und Abnehmer – gefunden werden. "Die Produktion würde sich ab einer Stückzahl von 50.000 Fahrzeugen lohnen", sagt Jessica Le Bris.

ACM-Projektleiter Paul Leibold deutet an, dass es bereits Gespräche mit Herstellern gebe – einem aus Europa und einem aus China. Um wen es sich handele, hält er geheim.

Was kostet ein "ACM City"? "Circa 15.000 Euro", sagt Leibold. Er sagt aber auch, was das Auto einsparen soll: Es stößt 70 Prozent weniger CO² aus und verbraucht 40 Prozent weniger Energie als ein gewöhnliches Auto mit Verbrennungsmotor, so das Ergebnis des Forschungsprojektes.

AZ-Test: Das kann das "Leicht-Mobil" "ACM City"

Ein Fahrersitz, rechts und links Freiraum. An so viel Platz (und daran, dass man im E-Auto "ACM City" in der Mitte statt links sitzt) muss man sich erstmal gewöhnen. Außerdem finde ich: Wenn man mal zu zweit unterwegs ist, ist ein Beifahrer, mit dem man sich unterhalten möchte und der einem gelegentlich auch mal die Wasserflasche reicht, doch ganz angenehm.

Apropos Unterhaltung: Was mir in dem Prototypen des "ACM City" auf Anhieb auffällt, ist, dass ein Gespräch mit den Mitfahrern (die dann hinten sitzen) ganz schön hallt. Doch zu einer Fahrt kommt es während meines Testversuches Nummer 1 gar nicht. Es gibt ein technisches Problem mit der App – der Motor springt nicht an.

Da das Problem auf Anhieb nicht gelöst werden kann, fahre ich in einem anderen "ACM City" mit – auf der Rückbank. Dort sitzt man überraschend bequem: Eben dadurch, dass der Fahrersitz mittig platziert ist, kann man als Beifahrer jeweils links oder rechts beide Beine ausstrecken.

Dafür fällt mir dort hinten etwas anderes auf – und zwar leider nicht im positiven Sinne: Von anderen E-Autos kenne ich es, dass man den Motor beim Start kaum hört. Beim "ACM City" ist die Fahrt vor allem eins: sehr laut.

Wir fahren höchstens 50 Kilometer pro Stunde, das Auto "kann" bis zu 80 fahren. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie laut man den Motor dann arbeiten hört. Das liege jedoch an dem Prototypen, das Endprodukt sei deutlich leiser, versichert mir der Fahrer. Ich hoffe, dass die Fahrt dann auch weniger holprig sein wird.

Beim Test möchte ich unbedingt auch ausprobieren, wie leicht das Tanken ist. An der "Tankstation" – ein großer begehbarer Container voller Batterien – angekommen, öffne ich eine Schublade an einer der Seiten des Autos.

Die Batterien, die schwerer sind als erwartet, lassen sich schnell durch aufgeladene austauschen.

So sehr das Konzept vom schnellen Aufladen überzeugt, umso enttäuschender ist das Fahrzeug selbst. Denn ein Auto, das zunächst gar nicht anspringen will und danach so laut ist, dass man besser immer eine große Vorratspackung Oropax im Handschuhfach dabei haben sollte, wird Münchens Verkehrsproblem leider nicht lösen.

So innovativ ist das "ACM City"

Drei Innovationen nennt Paul Leibold, Leiter des Forschungsprojektes "Adaptive City Mobility" (ACM), als er das E-Auto "ACM City" vorstellt:

  • Gewicht: "Derzeit geht der Trend immer mehr zu SUVs und dicken Geländewagen", sagt Paul Leibold. Das "ACM City" ist das Gegenteil: Es wiegt nur 650 Kilogramm – inklusive der Batterien. Ohne die Batterien wiegt es sogar nur 550 Kilogramm. Viele der Teile der Karosserie kommen aus dem 3-D-Drucker. Das Fahrzeug kann bis zu 80 Kilometer pro Stunde fahren und eignet sich, da es schmal und wendig ist, besonders gut für die Stadt.
  • Keine langen Aufladezeiten: Auf jeder Seite des Fahrzeugs befinden sich in Schubladen vier Batterien, an die der Nutzer mit ein paar Handgriffen gelangt. Sind die alle aufgeladen, kommt das Fahrzeug 100 Kilometer voran. Sind die Batterien leer, kann der Fahrer sie an Stationen in der Stadt austauschen – und danach direkt weiterfahren. Das Auto lässt sich aber auch daheim an der Steckdose aufladen. Das dauert sieben Stunden.
  • Schlaue Software: Alle Daten, die für den Nutzer wichtig sind, befinden sich in einer App. Darüber können Autos gebucht, der Akku-Stand kontrolliert, und die nächste Aufladestation angezeigt werden.
 

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