AZ-Leistungscheck Biathlon-WM: So stehen die deutschen Medaillen-Chancen

Medaillenhoffnung im deutschen Team: Benedikt Doll. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die deutschen Biathleten gehen mit vielen Fragezeichen in die WM, die Ziele sind dennoch hoch. "Fünf bis sechs Medaillen", peilt Trainer Kirchner an. Die AZ macht den Leistungscheck des Teams.

 

München - Selbst Johannes Thingnes Bö war der Power von Benedikt Doll nicht gewachsen. Im Massenstart von Pokljuka, dem letzten Rennen vor der WM, ließ der deutsche Biathlet den Star der Szene einfach stehen, mit einer energischen Schlussrunde sicherte er sich Platz zwei hinter dem enteilten Franzosen Quentin Fillot Maillet.

Zuvor hatte er bereits den Weltcup-Gesamtführenden Martin Fourcade überholt. Dolls starker Auftritt in Slowenien war der finale Mutmacher für das deutsche Biathlon-Team vor der Weltmeisterschaft in Antholz, die am Donnerstag mit der Mixed-Staffel beginnt. "Wenn es jetzt so weitergeht", sagte Doll selbstbewusst, "kann ich wirklich auf eine Medaille schielen."

Biathlon-WM in Antholz: Was geht nach Laura Dahlmeier?

Auf Dolls Leistungen setzt der deutsche Skiverband, gemeinsam mit Denise Herrmann bildet er das Führungsduo im Team, das die größten Chancen auf Medaillen hat. Dahinter sinkt die Leistungsdichte, trotzdem sind die Erwartungen für Antholz groß. "Wenn wir mit fünf bis sechs Medaillen nach Hause fahren, können wir mehr als zufrieden sein", sagte Cheftrainer Mark Kirchner bei "sportschau.de".

Und der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler meinte: "Ich habe ja nicht gesagt, dass wir dort acht Medaillen gewinnen. Aber unser Anspruch ist es natürlich, Medaillen zu holen." Zum Vergleich: Bei den letzten drei Weltmeisterschaften waren es stets sieben oder acht Mal Edelmetall – aber da war auch noch Laura Dahlmeier als Erfolgsgarantin dabei.

Die AZ macht vor der WM den Leistungscheck im deutschen Team...

Biathlon-WM: Was Mut macht

Neben Dolls Leistungen, der im Sprint von Le Grand Bornand im Dezember seinen zweiten Weltcupsieg feierte und zwei weitere Male auf dem Podest stand, zeigt auch die Formkurve von Herrmann nach oben. Bei der WM-Generalprobe in Pokljuka glänzte die frühere Langläuferin mit einem fehlerfreien Sieg im Einzel.

Dass sie bei der WM dem Druck standhalten kann, zeigte sie im vorigen Jahr, als sie sich einen kompletten Medaillensatz (Gold in der Verfolgung, Silber in der Mixed-Staffel, Bronze im Massenstart) sicherte.

Bei den Männern sind an guten Tagen auch Einzel-Weltmeister Arnd Peiffer und Johannes Kühn für Podestplätze gut, dasselbe gilt für alle Staffeln.

Biathlon-WM: Was Sorgen macht

Die Tiefe im Kader, die das deutsche Team oft auszeichnete, ist nicht vorhanden. Bei den Frauen schafften mit Herrmann, Franziska Preuß und Vanessa Hinz gar nur drei Athletinnen die verbandsinterne WM-Norm. Nominiert wurden dann freilich auch Janina Hettich und Karolin Horchler. Auch der formschwache Erik Lesser ist ohne erfüllte WM-Norm dabei, für ihn dürften Einsätze nur in der Single-Mixed- und der Männer-Staffel in Frage kommen.

Biathlon-WM: Wer fehlt

Die Routiniers Simon Schempp und Franziska Hildebrand sind gar nicht erst dabei. Im Fall Schempp ist das besonders schade, denn der 31-Jährige gilt als Antholz-Spezialist, holte dort fünf seiner zwölf Weltcupsiege. Doch wie schon im Vorjahr kam Schempp überhaupt nicht in Form, wurde aus dem Weltcup-Team genommen und startet stattdessen bei der zweitklassigen EM.

Hildebrand (32) ist ebenfalls völlig außer Form, sie wurde deshalb nicht nominiert.

Biathlon-WM: Wo es hakt

Derzeit drängen nicht gerade viele Talente aus dem Nachwuchs nach, die Leistungsträger im Team sind alle um die 30.

Für Magdalena Neuner "vielleicht sogar ein gesellschaftliches Problem. Vielleicht ist es viel schwieriger, gute Nachwuchsathleten zu bekommen. Vielleicht ist die Motivation, Leistungssportler zu werden, heutzutage gar nicht mehr so da", sagte die zweimalige Olympiasiegerin. Es liegt an Doll, Herrmann und Co., die Probleme bei dieser WM noch zu kaschieren.

 

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