AZ-Kritik zum TV-Krimi Tatort aus dem Schwarzwald: "Damian" ist irre gut!

Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek), die gemeinsam mit Cornelia Harms (Steffi Kühnert) und der polizeilichen Qualitätskontrolleurin Meike Richter (Nora Waldstätten) einen Tatort aufsuchen. Foto: SWR/Benoit Linder

Der dritte Schwarzwald-"Tatort" mit verändertem Schauspiel-Kommissar überzeugt. "Damian" bringt alles mit, was ein guter TV-Krimi haben muss: Verschiedene Erzählstränge, intelligente Zeitsprünge, ein aktuelles Thema als Aufhänger (hier: Überforderung, Belastung, psychische Probleme) und ein Ende, das überrascht.

 

Weil Schauspieler Hans-Jochen Wagner kurzfristig erkrankte, musste Regisseur Stefan Schaller (schrieb mit Lars Hubrich auch das Drehbuch) seinen männlichen Hauptkommissar neu besetzen. Carlo Ljubek durfte einmalig ran und brillierte als ungeduldiger und selbstbewusster Ermittler, der anfangs angenehm kurz und mit wenig persönlichem Geplänkel erklärte, warum "Friedemann Berg" krankheitsbedingt ausfiel: "Wohnt im Schwarzwald und kann nicht Skifahren." Deshalb musste "Franziska Tobler" gemeinsam mit "Luka Weber" arbeiten.

Um was geht es inhaltlich im "Tatort: Damian"?

Der Fall: Ein Doppelmord an einer 17-Jährigen und ihrem Tennislehrer treibt die Kommissare an die Grenze zur Überarbeitung. Überforderung und Stress am Arbeitsplatz sowie Müdigkeit und Burnout als Folgen werden thematisch in "Damian" behandelt. Und das sowohl beim Ermittler-Duo, das wegen eines Feuers einen zusätzlichen Todesfall zu lösen hat, als auch bei Jura-Student "Damian", der an den Erwartungen des Studiums und seiner Familie zu zerbrechen droht.

"Tatort": Was war gut in "Damian"?

Zu den beiden Erzählperspektiven (Polizeiarbeit und Hauptfigur "Damian") kommen verschiedene Zeitebenen, die bis zur allerletzten Minute für Spannung, Unverständnis und Ratlosigkeit beim TV-Zuschauer sorgen.

Erstmals in einer TV-Hauptrolle war Thomas Prenn zu sehen. Der junge Schauspielschul-Absolvent verkörperte den an Schizophrenie leidenden "Damian", der mit seiner Unberechenbarkeit eine mystische Atmosphäre schafft und Emotionen gut transportieren kann.

Überraschend wenig private Dialoge bei den Kommissaren und eine angenehm ruhige Erzählweise lassen zu, dass die Zuschauer in die Geschichte gezogen werden. Man fiebert tatsächlich mit, anstatt sich unter der Decke zu gruseln. 

Schwachstelle bei "Tatort: Damian"

"Meike Richter", die altkluge Dame von der polizeilichen Beratergruppe, stört im Handlungsverlauf. Ihre Rolle wird nicht ganz klar und die Auswirkungen auf das Verhalten von "Tobler" und "Weber" nicht behandelt. Sollte der steigende Druck auf die Beamten bei der Mord-Aufklärung transportiert werden?

Fazit: Ist der "Tatort" Top oder Flop?

Der TV-Krimi aus dem Schwarzwald beginnt träge, die Erschöpfung der Kommissare lässt auch ein wenig den Zuseher ermüden. Doch schnell nimmt dieser düstere und undurchsichtige "Tatort" Fahrt auf, lädt zum Miträseln ein und begeistert mit einem tiefgreifenden sowie gleichzeitig bedeutungsvollen Ende. So geht "Tatort"!

 

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