AZ-Kritik zum Krimi im Ersten Kiel-"Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe": Viel starker Stoff

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik) im aktuellen "Tatort". Foto: Gordon Timpen/NDR/dpa

Im Kieler "Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" müssen Borowski und seine Kollegin bei der Polizei intern ermitteln, was natürlich nicht ganz einfach ist, gegen die eigenen Kollegen.

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Kiel-"Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 10.052020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Polizist – was für ein Wahnsinns-Job. Da müssen drei Nachwuchskräfte gleich zu Beginn des Kieler "Tatorts" hilflos zusehen, wie eine Frau vom Dach eines Hochhauses in den Tod springt. Sie stehen direkt vor ihr und können doch nichts tun. Kurz darauf läuft eine Einsatzübung in einer sehr blutigen Szene völlig aus dem Ruder – am Ende liegt ein Jungpolizist tot auf dem Boden. Zwei Adrenalin-Momente für den Zuschauer wie für die Polizisten.

Das ist ein starker Stoff: Wie soll man so etwas verarbeiten? Wie gehen noch fast Jugendliche mit solchen Belastungen um? Ein genauerer Blick auf den Polizei-Nachwuchs wäre interessant gewesen. Der Rache- und Selbstjustiz-"Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" (Regie: Hüseyin Tabak, Buch: Eva und Volker A. Zahn) holt am Anfang ganz tief Luft - und lässt sie dann über den Rest der 90 Minuten gemächlich ab wie die Luftmatratze, die man im Frühling als zerknautschtes Gummiknäuel im Keller wiederfindet.

Bagriacik ist endlich in ihrer Rolle angekommen

Ausgerechnet der eigenbrötlerische Klaus Borowski (Axel Milberg) muss sich diesmal den geschockten Jung-Kollegen als Ansprechpartner anbieten. Das klappt erwartungsgemäß nur mittelmäßig. Und dann pokert er sehr hoch, als er der Polizistin, die am Anfang ihren Kollegen mit dem Schraubenzieher durchlöchert, das Schlüsselwort zuruft, das sie überhaupt erst ausrasten ließ – aus guten Gründen, wie wir erfahren.

Almila Bagriacik spielt nun schon zum vierten Mal Mila Sahin an Borowskis Seite – und so ganz leicht tut man sich natürlich nie neben einem so schrulligen Charakter (Anna Schudt als Film-Kollegin von Jörg Hartmann im Dortmunder "Tatort" kann davon ein Lied singen). Sie kommt allmählich in ihrer Rolle an, und das rundere Zusammenspiel zwischen Held und Heldin kann ja noch kommen. Im Norden hat man Zeit. Der passende Zeitpunkt, sich bei diesem "Tatort" was zum Knabbern zu holen: der Mittelteil.

 

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