AZ-Kritik zum Kinofilm Schluss mit lustig! Elyas M'Barek in "Der Fall Collini" plötzlich ernst

Franco Nero (vorn) als Fabrizio Collini und Elyas M'Barek als Anwalt Caspar Leinen in einer Szene des Films "Der Fall Collini". Foto: Constantin Film Verleih/dpa

Am 18. April 2019 kommt "Der Fall Collini" mit Elyas M'Barek in die Kinos. Ob der Film etwas taugt lesen Sie hier in der AZ-Kritik.

 

Gleich drei Drehbuchautoren (Christian Zübert, Robert Gold, Jens-Frederik Otto) haben Schirachs "Fall Collini" um weitere Ebenen ergänzt: So blenden wir im Film zurück in das Jahr 1944 in Italien, als 20 Zivilisten von der SS erschossen wurden. Und im Heute ist aus dem gebügelten Großbürgersohn des Romans ein Anwalt mit Migrationshintergrund geworden. So kommt noch eine Aufsteigergeschichte ins Spiel.

Elyas M’Barek soll als Junganwalt Caspar Leinen den italienischen Gastarbeiter Collini (Franco Nero) verteidigen – ausgerechnet den Mörder des bekannten Großindustriellen (Manfred Zapatka), der für den Anwalt ein Ziehvater war. Nur ihm hat Caspar zu verdanken, "dass er heute nicht in der Dönerbude steht". So sieht das zumindest die Enkelin des Ermordeten (Alexandra Maria Lara), die zugleich Caspars Jugendliebe ist – ihre Beziehung scheiterte wohl am Standesdünkel.

Es dauert, bis der Fall in Schwung kommt

Hier werden die diskreten Klassengrenzen wunderbar gezeigt, ebenso, wenn Heiner Lauterbach als alter Strafrechts-Hase dem Neuen zeigt, wo der Hammer hängt. Diese subtilen Zusätze geben dem "Fall Collini" eine weitere Ebene. Allerdings dauert es bis zur Hälfte des Films, bis der Fall endlich in Schwung kommt. Lange schweigt das Opfer und der Junganwalt schaut ratlos.

Spannend wird es, als unerwartet die BRD-Geschichte in den Blickpunkt rückt und wir mit Elyas M’Barek als Identifikationsfigur immer tiefer in die Hintergründe der bundesrepublikanischen Gesellschaft schauen. Sanfte Schwächen hat der Film, wenn er kitschig und sentimental wird – etwa in der überflüssigen Schlussszene.

 

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