AZ-Kritik So wird der "Tatort": Borowski und das Land zwischen den Meeren

Axel Milberg und Christiane Paul im neuen Tatort aus Kiel. Foto: NDR/Christine Schroeder

Im neuen Tatort aus Kiel, "Borowski und das Land zwischen den Meeren" brillieren vor allem Christiane Paul und die Kameraführung. Ansonsten ist Borowski knurrig wie immer. Die AZ-Kritik zum Tatort.

 

Achtung, dieser Text könnte Spoiler enthalten, der ARD-Krimi "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren" aus Kiel wird am Sonntag um 20:15 Uhr ausgestrahlt.


So ist er, der Borowski: knorrig und kauzig bis an den Rand des Erträglichen. Die Fensterscheibe im Auto lässt er gerade so weit herunter, dass die junge Inselpolizistin ihre Hand zur Begrüßung durch den Spalt schlängeln muss. Der Wortknauser aus Kiel, der auf der Fähre seinen Kaffee natürlich nur zu gerne "ohne Gedöns" trinkt, passt perfekt auf die fiktive Nordsee-Insel Suunholt, wo man allgemein nicht viel reden muss. Halt gerade so viel, dass es sich lohnt, beim "Tatort"-Dreh einen Tonmann mitzunehmen.

Der Tote vom Festland galt eh schon als Opfer eines Mordes, nur hat man nie seine Leiche gefunden. Nun liegt er ermordet in der Badewanne auf der Insel. Seine Freundin hat ihn gefunden (und auch umgebracht, aber bis zu dieser Erkenntnis muss die Handlung noch zwei, drei Umwege machen und eine Vorgeschichte mit aufnehmen).

Caspar David Friedrich und Theodor Storm

Zwischendurch darf Axel Milberg als Borowski im schwarzen Gewand hin und wieder malerisch am weißen Strand stehen wie auf einem Bild von Caspar David Friedrich: Der Ermittler am Meer. Überhaupt: Das norddeutsche Licht ist überwältigend in diesem "Tatort". Und nebenbei spielt dieser solide Krimi von Regisseur Sven Bohse mit norddeutscher Kulturgeschichte, flüsternd wird mit einem Ausschnitt aus Theodor Storms Novelle "Eine Halligfahrt" eine alte Erinnerung heraufbeschworen, die allmählich auch die Freundin überkommt.

Und natürlich gibt es auch die verrückte Alte, die immer wieder raunend auf die sagenhafte versunkene Insel Rungholt verweist und nun wieder alle Anzeichen für eine Naturkatastrophe als Strafe Gottes sieht. Der Wirbelsturm auf dem Meer, den Borowski betrachtet, ist dann vielleicht ein bisschen viel - geschenkt.

"Borowski und das Land zwischen den Meeren" erfordert einige Aufmerksamkeit, um der Handlung (Buch: Peter Bender, Ben Braeunlich, Sven Bohse) folgen zu können, belohnt aber mit wunderschönen Bildern (Kamera: Michael Schreitel). Und Christiane Paul als die eigentliche Hauptfigur dieses Krimis hat einen sehr starken Auftritt als atemberaubende, geheimnisvolle Femme fatale von der Insel. Der Zauber, der von dieser Frau ausgeht, zieht sogar den knorrigen Ermittler in seinen Bann. Und den Zuschauer auch.

 

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