AZ-Kritik Tatort "Zeit der Frösche": Viele Sonderlinge - wenig Schwung

Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und ihr Mainzer Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg) im Einsatz. Foto: dpa

Beim Mainzer Tatort passt nur wenig zusammen. Zu wenig Gefühl - zu viele Sonderlinge. Die Folge "Zeit der Frösche" in der AZ-Kritik.

 

Achtung, dieser Text könnte Spoiler enthalten, der "Tatort: Zeit der Frösche" aus Mainz wird am Montag um 20:15 Uhr ausgestrahlt.


So träge wie die titelgebenden Frösche zur Winterszeit agieren in diesem SWR-Tatort aus Mainz die Protagonisten. Die Charaktere wirken allesamt ruhiggestellt, es gibt über weite Strecken keinen Gefühlsausbruch, sondern nur nachdenkliches Herumgeraune. Das ist vermutlich sehr nah an der Wirklichkeit, nur will man das als Zuschauer nicht zwingend auch so dröge sehen.

Das Drehbuch von "Zeit der Frösche" (Marco Wiersch nach einer Idee von Florian Oeller, Regie: Markus Imboden) ist voll von bemerkenswerten Menschen: Berlingers Kollege Rascher (Sebastian Blomberg) wäre am liebsten wie die Frösche, die bei Kälte einfach so lange alle Aktivität einstellen, bis es wieder wärmer wird. Und auch sonst wünscht man sich den Ermittler einer Mordkommission irgendwie anders.

Heike Makatsch drückt als alleinerziehende Mutter und Haupt-Ermittlerin Ellen Berlinger zu jeder Tag- und Nachtzeit irgendwem ihre Tochter in die Hand, weil sie arbeiten muss. Realitätsabgleich: Können bitte mal alle alleinerziehenden Jederzeit-verfügbar-Polizisten die Hand heben? Eben.

Tatort aus Mainz: Zwischen Mathe-Genies und Schutzgelderpressern

Ein blutiger Kapuzenpulli taucht auf, der offenbar jedem gehört haben könnte (tragen in Mainz wirklich alle Jugendlichen graue Kapuzenpullis?). Dann verschwindet ein Mädchen. Die Entführung stellt sich bald als Mord heraus. Eine Lösegeldforderung trudelt trotzdem ein – Trittbrettfahrer, Freunde!

Es gibt einen Jungen mit Sonderbegabung, eine Art jugendlicher Adrian Monk, der super in Mathe, aber im echten Leben gänzlich unbeholfen ist. Er gibt Altkluges von sich wie "Das sind ideale Konditionen für Liebe oder Mord". Dummerweise ist er der Sohn von Berlingers Cousine – und bald ein Tatverdächtiger, denn das Mädchen sollte ihm zeigen, wie man Liebe macht. Dazu kommen ein schmieriger italienischer Schutzgelderpresser und ein verliebter Kita-Mitarbeiter, der immer mehr oder weniger vergeblich hinter Berlinger herschnurrt.

Irgendwann macht Ellen Berlinger plötzlich auf böser US-Cop und taucht einen Verdächtigen gewaltsam mit dem Kopf ins Waschbecken. Das passt aber leider überhaupt nicht zu ihrem sonstigen Verhalten.

Ein paar weniger Sonderfall-Charaktere und etwas mehr Schwung hätten diesem Tatort gut getan.

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