AZ-Kritik Chris Robinson mit Brotherhood in der Muffathalle

Chris Robinson (rechts) und seine Brotherhood. Foto: Jay Blakesberg

Chris Robinson überzeugt mit seiner Band Brotherhood in der Muffathalle

 

Chris Robinson trägt Allerweltsklamotten, ein seliges Dauerlächeln im Gesicht und wirkt wie einer, der völlig über den Dingen schwebt. Er hat Anfang der Neunziger mit den Black Crowes ein paar Millionen Alben verkauft, war ein klassisch schlaksiger, heiser röhrender Rockstar-Sänger wie aus dem Bilderbuch. Als er Kate Hudson heiratete, wurde er obendrein noch zur Celebrity. Jetzt steht er vor ein paar hundert Leuten in der Muffathalle und wirkt glücklich.

Die Halle ist mit einem schwarzen Vorhang verkleinert worden, doch in den Reihen ist immer noch sehr viel Platz. Als die Band einstöpselt, verlangt einer der Zuschauer „Rosalee“, den noch bekanntesten der unbekannten Songs der „Chris Robinson Brotherhood“. „Yeah, wir spielen alle Hits“, sagt Robinson lakonisch-ironisch und lacht. Das mit den Hits ist lange her, aber das scheint ihm völlig egal zu sein. Er wird keinen einzigen Black Crowes-Klassiker spielen, Rockstar-Posen hat er erst recht nicht mehr im Repertoire. Stattdessen hängt er sich eine Stratocaster um und spielt mit seinen vier Band-Brüdern zwei Stunden lang sensationelle, trippige Rockmusik.

Er hat den Blues

Um die scheint es Chris Robinson zu gehen, sonst um nichts. Ja, er will noch nicht mal Star seines eigenen Abends sein, er überlässt das Rampenlicht dem bärenstarken Lead-Gitarristen Neal Casal. Der spielt pro Song mindestens zwei ausgedehnte Soli, allesamt im flüssigen, lyrischen Stil von Grateful Dead-Gitarrengott Jerry Garcia: Casal hat sich sogar ein Instrument maßfertigen lassen, das dessen berühmter „Wolf“-Gitarre nachempfunden ist.

Und wie Garcia beherrscht Casal das, was Gitarrensoli überhaupt erst Sinn und Berechtigung verleiht: Sie treiben die Dynamik der Band in einer Weise dem Höhepunkt entgegen, wie Sänger das niemals könnten. So endet so gut wie jeder Song als fulminantes, ekstatisches Instrumental. Bei John Lee Hookers Blues-Standard „It Serves You Right To Suffer“, der alles überragenden Nummer des Abends, sind die Höhepunkte dagegen weit gestreut, auch Robinson an der Mundharmonika lässt es in seinem Solo krachen.

„Wir sind den weiten Weg aus den Vereinigten Staaten hierher gekommen“, sagt Robinson danach in einer seiner wenigen Ansagen, „und dort haben wir den Blues“. Was für eine Lakonie: Besser als diese fünf kann den Blues niemand spielen, ob in Amerika oder sonst wo.

Als Zugabe spielen sie das zweite Cover des Abends, eine Neuerfindung von Rod Stewarts „Mandolin Wind“: Das plätschert erst ein wenig vor sich, wie eine schwächere Country-Nummer der Grateful Dead, doch dann hebt Casal wieder zu einem Solo an, die Band gibt plötzlich Gas und der Abend findet ein würdiges Ende. Chris Robinson winkt dann kurz, klatscht zwei seiner Bandkumpane ab und schlurft hinter dem Schlagzeug langsam von der Bühne. Er holt sich noch nicht mal bei einer Schlussverbeugung den Dank des begeisterten Publikums ab. Wozu auch? Hier geht’s um die Musik, und der letzte Akkord dieses fulminanten Konzerts ist verklungen.

 

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