AZ-Kritik Anna Depenbusch im Prinzregententheater: Bodenständige Diva

Die aus Hamburg stammende Sängerin und Songschreiberin Anna Depenbusch mixt munter alle Genres. Foto: Sony Music

Allein am Flügel: Die Hamburger Liedermacherin Anna Depenbusch im Münchner Prinzregententheater. Die AZ-Kritik.

 

München - Licht aus im Prinzregententheater. Etwas verloren tapert Anna Depenbusch zu ihrem Flügel im Dunkeln, ertastet ihn. Aber dann ist sie voll da, elegant im schwarzen Kleid, schmuckbesetzt wie eine Diva, wobei sie schnell ihren erdverbundenen Charme entfaltet, besonders in ihren Moderationen.

Optisch sieht sie glamourös aus, wie sie da am Flügel sitzt, zunächst von nur einem Scheinwerfer beschienen, von ganz oben. Sie lässt die ersten Klänge perlen, singt in die Stille: "Es ist still, so still…". Reduktion ist das Prinzip des Abends. Nur Depenbusch und der Flügel und ein paar warm leuchtende Lichter, die bei Bedarf einen besungenen Sternenhimmel illustrieren können.

Ihre beiden letzten Alben veröffentlichte die 40-Jährige in zusätzlichen Schwarz-Weiß-Versionen, Schwarz-Weiß für die Tasten des Flügels. Das Spielen ohne Band hat die Hamburgerin schon im Studio erprobt und in einigen Konzerten. Sie erzählt zudem, dass sie sich täglich um 9 Uhr ans Klavier setze und schaue, ob die Inspiration zuschlägt. Ihr Soloauftritt führt also direkt zurück an den Ursprung ihrer Lieder. Und beschert dem Publikum eine, trotz der Weite des Prinzregententheaters, heimelige Intimität mit ihr.

Anna Depenbusch: Westerngitarre und Ukulele

Depenbusch weiß gleichzeitig um die Gefahr, wie schnell man ein sattes Bandarrangement vermissen könnte. So sorgt sie immer wieder für Abwechslung, nutzt den Flügel einmal als reine Percussion, ermuntert das Publikum zum Mitsingen. Wenn es um Cowboys geht, sind nur die Männer dran, die auf ihr Geheiß auch noch bereitwillig aufstehen.

Dazu spielt sie die Westerngitarre, und für "Tretboot nach Hawai" packt sie die Ukulele aus. Übermäßig virtuos ist sie an diesen Instrumenten nicht, auch nicht am Flügel. Manchmal spielt sie recht simpel die Akkorde, damit sie, den Körper gedreht, ins Publikum blicken kann. Und es klingt vor allem nach Chanson und Pop, was sie da fingersicher spielt.

Mit ihrer Stimme kann sie hingegen so ziemlich alles: sich in die Höhe schrauben, kristallklar zustechen, Wellen schlagen, spöttisch, zärtlich, herzzerrissen, aufmunternd klingen. Das Leben ist eine Pralinenschachtel, und sie greift mit ihrer Stimme hinein und weiß genau, welche Pralinen süß und welche herb schmecken sollen.

Die Texte gehen flüssig ins Ohr, sind von einer dezenten, gelegentlich ironischen Alltagslyrik getragen, die sich reimt, ohne dass der Reim gezwungen klingt. Emotionale Verwirrungen gehören zur Depenbuschen Tagesordnung, aber gelegentliche Tragödien federt sie ab. Das Begehrenschaos in "Tim liebt Tina" ist ja eigentlich bitter, kommt aber leichtfüßig daher. Und das nahende Ende einer Beziehung, von dem sie waidwund vor der Pause in "Liebe kaputt" singt, führt nicht in die klinische Depression, sondern in die sanfte Melancholie: "Wir zwei sind vorbei. Du weißt es, und ich weiß es." Mehr gibt's da auch nicht zu sagen. Stimmt so. Ist traurig.

Standing Ovations im Prinzregententheater

"Die schönste Melodie" nach der Pause erzählt dann vom Vermissen des Partners, wie die Welt sich weiter dreht "ohne dich". Ein wenig Dramaturgie gibt es also auch, aber aus dem Arsenal ihrer Songs kann Depenbusch im Grunde beliebig picken, ohne ihre Zuhörer zu ermüden. "Fester Boden tut mir nicht gut, ich leb mein Leben wie ein Zug", bekennt sie in "Stadt Land Fluss".

Man fährt gerne mit ihr: Standing Ovations, die sie erfreut annimmt. Die bodenständige Diva geht ab, und das Licht geht an.

 

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