AZ-Konzertkritik ZZ Top in der Olympiahalle

Billy Gibbons (rechts) und der Bassist Dusty Hill mit dem Schlagzeuger Frank Beard in der Olympiahalle. Foto: Jens Niering

Weniger ist doch mehr: ZZ Top in der Olympiahalle

 

MÜNCHEN - Mit dieser Schlussverbeugung wird die Performance zum Kunstwerk. ZZ Top haben gerade „La Grange“ und „Tush“ als Zugaben gespielt, da steht der stoische Drummer plötzlich neben seinen beiden Kollegen. Der rasierte Mann, der sagenhafterweise auf den Namen Frank Beard, also „Bart“, getauft ist, stellt sich zwischen die beiden berühmten Rauschebärte des Rock, und die drei deuten rasend schnell eine minimale Verbeugung an, die eher ein simultanes Kopfnicken ist, und sind schon auf dem Weg von der Bühne. Wer etwas zu träge blinzelt, hat den Moment verpasst.

Genauso ist der ganze Abend mit ZZ Top, die auf Tour ihr 50. Bandjubiläum feiern: Sie machen extrem wenig, reduzieren alles aufs Minimum, aber das treiben sie auf die Spitze – mit großer Wirkung. Auf der Bühne der Olympiahalle stehen nur ein Schlagzeug und zwei Verstärkerwände, ein Keyboard, das nach einem Kurzeinsatz wieder verschwunden ist, und vorne zwei Mikroständer. Die aber leuchten schrill in Neonfarben.

Minimalistische Gitarrenkunst

Die Zwillings-Rauschebärte dahinter, Billy Gibbons und Dusty Hill, sehen praktisch genauso aus wie die mit wenigen Strichen gezeichneten Karikaturen auf den Plakaten vor der Olympiahalle: Bei ZZ Top sind Band und Bandlogo eins geworden. Und diese Männer hinter dem Bart und unter dem Cowboyhut spielen ultra-minimalistischen Texas-Bluesrock, dessen stilistische Bandbreite, nun ja, von Z bis Z reicht.

Diesen Sound haben sie freilich auf Arena-Format hochgetunet, die Gitarrenverstärker sind voll aufgedreht, auf Frank Beards Trommeln liegt der wuchtige Halleffekt der Achtziger, es ist gewaltig laut – und der Klang in der Olympiahalle erstaunlich knackig. Alles knallt, was vor allem an Billy Gibbons’ pragmatischer und, klar: minimalistischer Gitarrenkunst liegt. Selbst seine Soli sind eher eine Aneinanderreihung von einprägsamen Riffs.

Die Comedy wird immer lustiger

Überhaupt Riffs: Wenn die unwiderstehlich sind wie bei „Waitin’ on a Bus“ oder „I’m Bad, I’m Nationwide“, klingt es herrlich, doch bei den ansonsten immer gleichen Bluesrock-Stampfern wird es irgendwann fad: Viele ähneln sich wie die beiden Herren hinter den Mikros. Doch dann, genau noch rechtzeitig, kommt der „Sharp Dressed Man“ ums Eck, jetzt beginnt auch das Publikum erstmals zu toben, und das Konzert wird gegen Ende zum großen Spaß: Nicht nur weil jetzt noch ein paar super-eingängige, tolle Songs kommen, sondern weil die Comedy der Herren Hill und Gibbons immer lustiger wird.

Die ist eine Mischung aus Comic und Stummfilm-Slapstick mit maximal überzeichneter Gestik: Etwa, wenn Gibbons mitten in „Tush“ seinen Kollegen bittet, ihm eine Kippe anzuzünden. Aber tja, was will der Bassist machen? Die eine Hand greift, die andere zupft – er hat hier einen Groove am Laufen! Da bleibt nur Schulterzucken. Zum Glück gibt’s einen Streber-Roadie, der auf die Bühne kommt und dem Chef eine ansteckt. 

Mit der kürzesten Schlussverbeugung, die überhaupt nur denkbar ist, ist dann die größtmögliche Wirkung dieser tollen Bluesrock-Slapstick-Performance erreicht. Doch dann kommen die drei noch mal raus und spielen mit „Jailhouse Rock“ einen kurzen, konventionellen Rausschmeißer, der die Wirkung wieder ein klein wenig verwässert. Mensch, ZZ Top: Weniger ist doch mehr!

 

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