AZ-Konzertkritik Zwei blaue Augen: Beth Hart auf dem Tollwood-Festival in München

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
So sehen Rockstars aus: Beth Hart auf dem Tollwood. Foto: Jens Niering

Der verletzliche Rockstar Beth Hart begeistert beim Tollwood-Festival.

 

München - "Leute, ich war total nervös vor diesem Auftritt. Denn ich wollte euch nicht mit meinem unheimlichen Gesicht Angst einflößen", sagt Beth Hart (47) und lacht leise. Ihre zwei blauen Augen – ein Veilchen links, ein Veilchen rechts – hat sie sich zwei Tage vorher bei einem Konzert zugezogen, als sie headbangend vor dem Schlagzeug gekniet ist – sagt die Blues- und Rocksängerin.

Beth Hart auf dem Tollwood  Auftritt mit eindringlicher Kraft

Im Laufe des Konzerts glaubt man diese Geschichte mehr und mehr. Die Kalifornierin bewegt sich nicht nur mit ihrer Stimme zwischen rauer Röhre und honigsüßem Flehen, sondern auch mit dem Körper. Die Zunge bewegt sich wild, der Oberkörper zuckt, sie stößt martialische Schreie aus, "Baby shot me down" ist eine Nummer voller Wut, aber auch Verspieltheit. Bei "Your Heart Is As Black As Night", von einem ihrer Alben mit Joe Bonamassa, bringt sie zur Freude der Fans in der ausverkauften Musikarena einen Security ins Schwitzen. Der Mann will im Bühnengraben nur seinen Job machen und ernst schauen, aber Beth Hart hat richtig Lust zu Flirten und lässt nicht locker.

Glück für den Mann: Die meisten Songs begleitet sie sich selbst am E-Piano: "Take it easy on me" fleht sie Gott an. Mit ihren zwei blauen Augen und dieser Stimme glaubt man ihr, dass sie einiges mitgemacht hat – Drogen, Alkohol. Zum Abschluss singt sie "I’d rather go blind" in Netzstrümpfen und ohne Schuhe am Bühnenrand sitzend, gleichzeitig ganz bei sich und ganz bei den Fans, gleichzeitig da und weg.

Es ist nicht auszuschließen, dass Beth Hart auf dem Tollwood total zugedröhnt war, der Gedanke drängt sich auf. Das nimmt dem Auftritt aber nichts von seiner eindringlichen Kraft.

 

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