AZ-Konzertkritik Udo Lindenberg in der Olympiahalle: Ein Fest für Alle!

Udo Lindenberg, hier bei einem Konzert in Kiel, rockte (mal wieder) die Olympiahalle. Der AZ-Konzertkritiker war begeistert. Foto: dpa

Sonderzug nach München. Und zwar, um das Versprechen von vor nicht mal einem Jahr einzulösen, dem damals so schnell ausverkauften Konzert in der Olympiahalle ein Da capo folgen zu lassen. Und schon wieder hat Udo Lindenberg mit seiner Panik-Show die Halle restlos ausverkauft.

 

Doch dieses Mal gab es noch einen zweiten Grund, um an die Isar zu kommen: "Feiern in Bayern", der 71. Geburtstag von Deutschlands erfolgreichstem Nicht-Sänger, mit dem obligatorischen "Happy Birthday"-Gejohle aller Fans, und mit einer tanzenden Truppe fescher Jungmaiden im Dirndl. Ansonsten war die Show fast die gleiche wie letztes Mal.

Lindenbergs weißblaue Liebe ist nicht selbstverständlich. Gab es doch Jahre, da hatte er gar nicht so mit München. Doch das ist anscheinend Schnee von vorgestern; und die Münchner Fans jubeln ihm zu, als sei er ein Lokalmatador. Eine aufwendige Bühne mit allerlei LED- und Videospielen, bester Sound, Laser, Licht und Rauch, und vor allem ein schier unerschöpflicher Personaleinsatz: Musiker, Tänzer, Akrobaten, Kinderchor, auf der Bühne, auf dem Laufsteg in die Arena, am Boden und in der Luft.

Hart dran an der Reizüberflutung

Eigentlich von allem ein bisschen zu viel, hart dran an der Reizüberflutung, und dennoch faszinierend. Das ist ganz großes Kino. Und da versteht es sich fast von selbst, dass der Star in einer kleinen Gondel in die Halle schwebt - und am Schluss genauso wieder raus.

Auch das Repertoire ist bekannt. Spätere Single-Hits wie "Horizont". "Cello" oder "Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" gehen in Polit-Songs über wie "Bunte Republik Deutschland" und das etwas schmalzig intonierte "Wozu sind Kriege da?" mit einer Hand voll traurig mitsingender Kinder, um dann aktuell auf die gefährlichen Rechtspopulisten dieser Welt hinzuweisen. Auf der Bilderwand die bekannten Portraits von Trump, Le Pen, Erdogan und vielen mehr, allerdings mit spitzen Clownsmützen; im Text geht's um das "Fieber" auf der Straße, das sich wieder rührt und das gegensteuern will und kann. Ein kurzer Gastauftritt von Lindenberg-Freund Peter Maffay rundet dieses Kapitel ab.

Als dritte Säule des langen Abends dann der Overkill mit all den Klassikern: "Reeperbahn", "Honky Tonky Show", "Sonderzug nach Pankow", "Andrea Doria" und noch ein paar mehr. Leinwand-Show und Lichtspiele überschlagen sich, alles voller Akteure - man weiß gar nicht mehr, wo man zuerst hinschauen soll. Die ganze Show mit finalem Spektakel zweieinhalb Stunden, und das ohne Pause!

Ein Fest für alle alten und neuen Fans.

 

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