AZ-Konzertkritik "Silly" in der Muffathalle: Fels in der Brandung

Die Band Silly mit Frontfrau Anna Loos. Foto: dpa

Silly mit Anna Loos begeistert in der erstaunlich leeren Muffathalle.

 

München - Sängerin und Frontfrau Anna Loos verspricht am Schluss des Konzertes: „Wir kommen wieder nach München. So oft, bis wir diesen Laden ausverkaufen!“ Mit „dieser Laden“ meint sie die Muffathalle; und die hätte an diesem Abend wirklich ein paar Zuschauer mehr verdient.

Denn Silly macht schon lange nicht mehr die unverfängliche oder auch mal verklausulierte DDR-Musik von einst, sondern bezieht ganz klar Stellung. Alles in allem wurde der Abend zu einem Vergnügen. Wenn auch ein paar Uralt-Fans vergeblich auf die Songs ihrer Jugend gewartet haben.

Bei Silly ist kein einziges Gründungsmitglied mehr dabei – also gibt es auch keine gemeinsame Band-Geschichte und schon zweimal keine gemeinsamen Hits. Nur der Name ist geblieben, und der Stempel „Ost-Rock“. Beide Begriffe haben heute allerdings keine Bedeutung mehr.

Die Power von Anna Loos

Silly - das ist heute vor allem die Power von Anna Loos. Seit zehn Jahren steht sie an der Spitze der Combo, singt glasklar und verständlich, führt als Moderatorin durch den Abend - und vergaloppiert sich dabei auch manchmal ein bisschen. Meist dann, wenn sie aus dem Innenleben der Gruppe plaudert. Und berichtet, dass es durchaus auch mal Momente gibt, in denen man sich gegenseitig „an die Wand schmeißen“ könnte. Was wohl in jeder Beziehung so ist.
Aber sie steht auch da wie ein Fels in der Brandung, lädt zum Zusammenrücken ein und zum Akustik-Set mit eindeutigen Titeln wie „Wutfänger“ und „Ich sag nicht ja“, in denen sie auf rechte Strömungen in der Gesellschaft Bezug nimmt. Um gleich darauf mit „Deine Stärken“ wieder in den Mikrokosmos des Privaten einzutauchen.

Die Musik, eindeutig Rock, klingt stellenweise altmodisch und auch etwas zu zahm. Erst wenn Gitarrist Uwe Hassbecker so richtig vom Leder zieht, wird sie frisch und spannend. Was in der zweiten Hälfte des Konzerts immer öfter passiert. Und besonders in der Zugabe: Orientalische Klänge, wuchtige Trommel-Power von allen Bandmitgliedern gemeinsam – und eine Anklage gegen die Waffenhandel-Geschäfte in aller Welt.

Gänsehaut pur. Und verdammt gut gemacht.

 

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