AZ-Konzertkritik Red Hot Chili Peppers in der Olympiahalle: Happy Birthday, Anthony!

Mitreißende Shwo, ekstatische Fans - Bilder vom Red-Hot-Chili-Peppers-Konzert in der Olympiahalle Foto: imago

Auch nach 30 Jahren spielen sich die Red Hot Chili Peppers auf jedem Konzert in einen regelrechten Rausch. Die AZ-Konzertkritik zum Auftritt in der Münchner Olympiahalle.

 

Vor der Bühne hüpft während des gesamten Konzerts ein pinker Flamingo auf und ab. „Happy Birthday, Anthony“, ist auf dem Ballontier zu lesen. Der Sänger der Red Hot Chili Peppers, die am Dienstagabend in der ausverkauften Olympiahalle zeigen, dass sie auch nach 30 Jahren gemeinsamen Musikmachens noch keinen Funken Energie und Talent für die große Show eingebüßt haben, wird an diesem Abend 54. Er färbt sich inzwischen die Haare, aber sein tätowierter, muskulöser Oberkörper ist weit entfernt vom Status „Rock-Opa“. Seinen Bassisten Flea, der von Anfang an oben ohne, dafür aber in einer aus Flicken zusammengenähten Schlaghose unterwegs ist, hält das Alter auch nicht davon ab, auf den Händen über die Bühne zu laufen.

Skeptikern dürfte dieser Abend jeden Zweifel genommen haben. Denn sie können es noch. Dass sie ihre zweistündige ästhetisch und musikalisch höchst anspruchsvolle Show mit dem Titel „Can't Stop“ beginnen, lässt sich als klares Statement lesen. Sie machen weiter, weil sie nicht anders können. Erst im Sommer erschien ihr elftes Studioalbum "The Getaway".

Gesprächig sind sie nicht, aber das ist in Ordnung, solange sie Musik machen

Bevor Kiedis' markante Stimme zu Beginn des Abends den kantigen, funkigen Instrumental-Jam durchbricht, steigern sich Chad Smith am Schlagzeug, Flea am Bass und der Gitarrist Josh Klinkhoffer immer tiefer in den Rausch hinein. Mit der Lautstärke wächst die Spannung in der Halle. Einige Fans beginnen mit dem ersten Auftritt ihrer göttergleich verehrten Band extatisch auf- und abzuhüpfen und mit geschlossenen Augen den Kopf zu schütteln, um erst mit dem letzten Ton, der ihnen von der Bühne entgegenschlägt, wieder damit aufzuhören.

Mit jedem Lied verändert sich die Lichtstimmung auf spektakuläre Weise: Von der Decke hängen hunderte weiße Neonröhren, die sich, unterschiedlich beleuchtet, mal wellenförmig, mal einzeln, mal gemeinsam auf und ab bewegen. Blau, weiß und rot angestrahlt deuten sie also die amerikanische Flagge an, während die Red Hot Chili Peppers einen ihrer größten Hits spielen. Emotionaler als bei „Californication“ wird es an diesem Abend nicht mehr – ein kleiner Höhepunkt unter vielen. Dann wieder senken sich die Leuchtröhren blau bestrahlt ganz nah über die Köpfe der Band und es passt gut, wenn Flea plötzlich ausruft: „Poke a whole in the sky“ - in Anlehnung an den Titel „Johnny, kick a whole in the sky“.

Das einzige, was man an diesem Abend ein wenig vermisst, ist der Austausch mit den Fans, der sich darauf beschränkt, dass Chad Smith einen Drumstick nach dem anderen in die Menge feuert. Besonders gesprächig sind sie nicht, die vier Kommerzanarchisten aus Kalifornien. Aber das ist schon in Ordnung, solange sie nicht aufhören Musik zu machen.

 

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