AZ-Konzertkritik Neil Young in der Olympiahalle München: In sich stimmig

Gewohnt griesgrämiger Blick: Neil Young in der Olympiahalle München. Foto: Jens Niering

Neil Young spielt am Samstagabend in der Olympiahalle - bisweilen etwas eintönig aber noch voller Kraft und schlussendlich doch gelungen. Die AZ-Konzertkritik. 

 

Das ist die ganz alte Schule: Wenn Neil Young in einer anderen Gitarrenstimmung weiterrocken will, lässt er sich nicht – wie all seine Kollegen – von einem Gitarrentechniker ein feinjustiertes Instrument um den Hals hängen. Sondern er stimmt selbst auf der Bühne. Elektronische Tuner lehnt er offenbar ab, er schraubt nach Gehör an den Mechaniken rum – und das in maximaler Lautstärke. Nur: Er verheddert sich, und zwar heillos, alles klingt schief. Also eilt dann doch der Gitarrentechniker auf die Bühne und löst das Problem blitzschnell.

Zwei Mal geht das so, und der sehr wortkarge Young stellt den Techniker schließlich sogar namentlich vor, im Gegensatz zu seinen fünf Begleitmusikern von Promise Of The Real. Seine Gitarre vor einer nahezu ausverkauften Olympiahalle zu stimmen: Ist das vielleicht selbst für einen Weltstar, als ob er vor 10.000 neugierigen Augenpaaren einparken müsste? Ganz im Gegenteil: Dem supercoolen Neil Young ist das alles einfach wurscht, er stimmt die Gitarre auch noch ein drittes Mal – und diesmal mit Erfolg.

Neil Young in der Olympiahalle: krachend bis zur letzten Zugabe

Musikalisch klappt alles müheloser. Young und die jungen Burschen von Promise Of The Real, der Band um Willie Nelsons Sohn Lukas, beginnen mit "Mr. Soul", dem ältesten Song des Abends, den Young mit seiner ersten großen Band Buffalo Springfield aufgenommen hatte. Und in diesem krachenden Stil geht’s fast durchgehend weiter bis zur Schlussnummer "Rockin’ In The Free World", bei der die Band zwei mal einen Schlussakkord spielt, um dann doch noch mal in den hymnischen Refrain einzustimmen, und bis zur letzten Zugabe "Like A Hurricane".

Dazwischen gibt’s kaum Variationen: Akustik-Gitarre spielt Young nur bei der sanften, vielumjubelten Country-Ballade "Harvest Moon" mit ihren zauberhaften Gesangsharmonien. Ansonsten ist in der Olympiahalle der ungestüm rockende Mr. Young zu erleben. Sein wildes, laut ausgesteuertes Gitarrenspiel samt seiner unimitierbaren Soli prägen den altbekannten Sound: "Promise of the Real" klingen mit ihrem kerzengeraden Rock wie eine jüngere Variante von "Crazy Horse".

Neil Young spielt Standards und 90er-Rocknummern

Die Arrangements unterscheiden sich kaum von den bekannten Versionen von Youngs früherer Band, sei es bei "Powderfinger", dem wie immer überlangen "Cortez the Killer", bei "Fuckin’ Up" und "Mansion On The Hill", beim grandiosen Riffrock von "Cinammon Girl" oder dem tollen "Walk On". Young spielt neben vielen Standards auch ein paar Rocknummern von Mitte der Neunziger wie "Change Your Mind", die Songs seiner vielen Alben der vergangenen Jahre ignoriert er dagegen komplett.

Wie auch die Breite seines musikalischen Könnens: Ein paar mehr seiner brillanten Balladen hätte Young – der stimmlich mit 73 Jahren noch voll auf der Höhe ist – gern singen dürfen. Stilistisch ist dieser wuchtige Geradeaus-Rock, bei aller Klasse der Lieder, auf Dauer etwas eintönig. Aber er hat immer noch Kraft, und in sich ist das Konzert somit, was Neil Youngs Gitarre zwischenzeitlich mal nicht ist: stimmig.

 

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