AZ-Konzertkritik Dickes M! Seeed heizt der ausverkauften Olympiahalle ein

Gibt immer Vollgas auf der Bühne: Seeed-Frontmann Peter Fox. (Archivbild) Foto: Britta Pedersen/dpa

Seit dem 11. Oktober tourt "Seeed" mit dem neuen Album "Bam Bam" durch Deutschland. Am Dienstagabend hat die Berliner Band Tausende Fans in die restlos ausverkaufte Olympiahalle gelockt und diese nicht enttäuscht. 

 

Ende Oktober. Grau, kühl, Nieselregen. Noch dazu ein Dienstag.Weit weg vom nächsten Wochenende, erstmal der Trott des Alltags. Trotzdem fordert Seeed-Frontmann Peter Fox die Menge in der Olympiahalle auf (ausverkauft): Stellt euch vor, es ist Freitag oder Samstag! Soll heißen: Feiert, seid ausgelassen, denkt nicht an morgen.

Seeed präsentiert München das neue Album "Bam Bam"

Die große Frage: Schafft die Band dieses Feeling? Bringen sie ihre Fans zum Ausrasten? Immerhin liegen die letzten Konzerte Jahre zurück, Gründungsmitglied Demba Nabé ist 2018 überraschend gestorben und die Berliner haben das erste frische, deutschsprachige Album "Bam Bam" seit sieben Jahren dabei – das, leider, Liebe aufs zweite Hören ist. Also, schaffen sie die Wochenendstimmung an einem grauen Dienstag? Und wie! München schüttelt seinen Speck. Und das nicht nur zu ebendiesen Klassikern, schon beim ersten Chill-Song "Ticket" vom neuen Album singt die Menge mit, bewegt sich im Takt, jubelt. "Schön, euch zu sehen", ruft Peter Fox. Die Münchner sehen und fühlen das genauso. Dickes M!

Seeed und die unverkennbare Coolness

Live erhalten die neuen Kompositionen wie "Lass sie gehn" über eine ungesunde Liebe, "Licht an" über eine recht körperliche Liebe und "Geld" über die trügerische Liebe zu Moneten dann auch die Würze, wie man sie von Seeed gewöhnt ist und die man beim ersten Reinhören in "Bam Bam" vermisst hat. Das Besondere, das Wiedererkennbare, das Dicke im B. Das liegt vor allem an Peter Fox und Dellé, die so lässig auf der Bühne abgehen, als würden sie gerade daheim im Wohnzimmer grooven – ohne Aufregung, ohne Druck, ohne Sorgen. Dafür mit ganz viel Coolness.

Keiner sonst sieht wohl so geschmeidig dabei aus, selbst wenn er nur die kleine Zehenspitze im Takt hebt. Für die synchronen, lässigen bis sportlichen Tanzeinlagen jubeln die Fans extra laut. Zurecht. Fox ganz ohne Trott.

München-Konzert: Seeed erinnert an verstorbenen Kollegen

Reggae, Dancehall, Pop – Seeed können es noch, sind sich treu geblieben und ein eingespieltes Team. Und das muss man bei so vielen Bandmitgliedern (zehn) erstmal schaffen. Nabé ist trotzdem nicht vergessen und das sorgt dann auch für den menschlichsten Moment des Abends: Beim Lied "You and I" erhellt ein Scheinwerfer den leeren Platz auf der Bühne, den der Sänger hinterlassen hat. Gänsehaut.

Alles neu, das geht bei Seeed natürlich nicht. Auch die Nummern müssen her, die jeder Fan im Schlaf mitsingen kann. Softe Pop-Nummern wie "Aufstehn", nach denen man sich gelassen wie nach einer Massage fühlt. Oder "Music Monks" und "Ding", bei denen man selbst mit Wollsocken auf der Couch aufspringen und spätabends noch in den Club gehen möchte.

Seeed spielt Solo-Nummern von Frontsänger Peter Fox

Nicht ganz überraschend: Auch die Solo-Nummern von Peter Fox werden gespielt, jetzt natürlich zusammen. Und: auch einen Remix von Justin Timberlakes "Sexy Back" gibt’s. Das ist dann doch überraschend.

Und so dachte so mancher Fan wahrscheinlich doch an Morgen am Ende des fast zweistündigen Konzerts (so lange muss man sich auch für "Dickes B" gedulden) – denn Seeed spielt am Mittwoch gleich nochmal. Allerdings ebenfalls ausverkauft.

 

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