AZ-Konzertkritik Dendemann-Konzert in der Tonfabrik: Genau dafür

Dendemann trat in der ausverkauften Tonhalle auf - nach langer Bühnenabstinenz. (Archivbild) Foto: dpa

Das Urgestein des deutschen Hip-Hop: Dendemann spielt in der ausverkauften Tonfabrik - und wird zu Recht gefeiert. Die AZ-Konzertkritik.

München - Eigentlich sollte Dendemann in der Muffathalle spielen, doch die Karten für das Konzert der "Da nich für!"-Tour des Deutschrappers waren so gefragt, dass es in die Tonhalle im Werksviertel verlegt wurde.

Dendemann (44), eigentlich Daniel Ebel, ist seit fast 20 Jahren im deutschen Hip-Hop unterwegs. Ein wenig merkt man es ihm an: Auf der Bühne steht kein spätpubertärer testosteronsprühender Jüngling, wie man ihn in der deutschen Rapper-Szene zu oft gesehen hat. Sondern ein voll und ganz erwachsener Lyriker. Fester kann man wohl kaum im Hip-Hop-Sattel sitzen. Das Publikum weiß das; und feiert Dendemann und die Band "Die freie Radikale" schon in gefühlter Maximallautstärke, als sie gerade erst die Bühne betreten.

Das Publikum ist genauso gereift wie der Künstler

Doch da geht noch mehr: Schon beim ersten Track "Das ist wo ich wech bin" vom aktuellen Album rappt und singt das Publikum mit, in das sich übrigens auch kein Jüngling verirrt hatte. Hier feiern Menschen, die mit Dendemann groß geworden sind. Die ihre Jugend mit den Alben wie "Vom Vintage verweht" oder "Die Pfütze des Eisbergs" verbracht haben und gerne an Dendemanns Zeit bei der Rap-Kombo "EinsZwo" zurückdenken. Das wird spätestens klar, als sich die Lautstärke des Publikums bei einer 90er Jahre-Techno-Version von "Stumpf ist Trumpf" – einer der ganz großen Hits der Dende-Ära – zu überschlagen scheint. Zum Schluss hinaus legt nicht nur Dendemann die "Hand aufs Herz".

Dendemann lässt die Hoffnung auf guten deutschen Hip-Hop wieder leben

Es ist klar, dass das Konzert nicht mehr lange dauern wird, und fast scheint es so, als würden die bärtigen Männer und mützentragende Frauen ihren Dendemann jetzt schon wieder vermissen, ist er doch gerade erst aus seiner knapp neunjährigen Albumpause zurückgekehrt.

Und das zu Recht; denn der Mann mit den Schlabberklamotten und der vielbeschriebenen Reibeisenstimme, die auf der Bühne eins zu eins wie auf den Alben klingt, liefert eine Show, die Spaß macht – und die die Hoffnung auf guten deutschen Hip-Hop wieder aufleben lässt.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading