AZ Konzert-Kritik Tom Jones: Der Tiger in der Musikarena

Er kann es immer noch: Der "Tiger" Tom Jones übertrifft alle Erwartungen bei seinem Konzert in der Tollwood-Musikarena. (Archivbild) Foto: dpa

Am Montagabend gab es Tom Jones in der Musikarena auf dem Tollwood-Festival zu sehen. Die AZ-Kritik zum Konzert des Tigers lesen Sie hier.

München - Ob der Tiger in dem irre heißen Zirkuszelt wohl in Ohnmacht fällt? Das ist ihm schließlich schon mal passiert: „Tiger“ Tom Jones kollabierte einst bei der letzten Note von „Thunderball“ – er hatte sie überirdisch lange gehalten.

Jetzt ist er 75, in der Tollwood-Musikarena herrschen tropische Temperaturen und der legendäre James Bond-Song steht auch auf dem Programm. Muss man sich Sorgen machen?

Schließlich singt Jones von Beginn an voller Inbrunst: Da knurrt er mit einem Trio den John Lee Hooker-Song „Burning Hell“, auf der Leinwand hinter ihm lodert eine Feuersbrunst. Spielt Tom Jones jetzt Bluesrock? Er wird allerhand Stile spielen an diesem Abend. Und seine Band beherrscht alle höllisch gut.

Zu Randy Newmans „Mama Told Me Not To Come" steht sie komplett auf der Bühne, neun Mann hoch. Alle spielen höchst sparsam, keine Note ist zu viel, jeder Lick passt perfekt. Zum Beispiel bei dem 40er-Jahre-Song „Tomorrow Night“ von Lonnie Johnson: Den spielt die Band mit akustischer Gitarre und Akkordeon. Der frühere Paul McCartney-Gitarrist Robbie McIntosh krönt alles mit zauberhaften Hawaii-Klängen auf der Slide-Gitarre. Und in diesen herrlichen Sound fügt sich samtweich die Stimme von Tom Jones: Die ist noch immer groß wie ein Haus, ach was, wie eine Arena. Ein gelebtes Leben hat ihr nichts anhaben können, rein gar nichts. Wenn er eine Bluesnote ganz tief unten brummt, mit immensem Volumen, kriegt er Szenenapplaus. Dann singt er zweieinhalb Oktaven höher weiter.

Und seine Stimme eignet sich für jeden Stil: Für die 60er-Jahre-Schnulze „I’ll Never Fall In Love Again“, für den Country-Stampfer „Raise a Ruckus Tonight“, für Gillian Welchs gespenstisch kargen „Elvis Presley Blues“. Die Bandbreite ist groß, doch noch beeindruckender ist, wie Tom Jones seine Hits spielt: Den Schlagerklassiker „Delilah“ bringt er als spannungsreichen Mariacchi-Rock, „Sex Bomb“ als umwerfenden Swing, „It's Not Unusual“ strahlt Samba-Feeling aus. Tom Jones unterläuft und übertrifft alle Erwartungen an diesem Abend.

Nur eines irritiert: Wieso behält der Mann sein Jackett an? Wie heiß es unter den Scheinwerfern ist, will man gar nicht wissen. Aber Jones trägt den Edelzwirn auch noch nach einer Stunde. Dann endlich die Aufklärung: Zu den ersten Takten des Auszieh-Songs „You Can Leave Your Hat On“ reißt er sich die Jacke vom Leib. Die Menge johlt. Der Mann nimmt seine Profession halt ernst, für einen Showeffekt muss man auch mal schwitzen. Und sein Hemd ist unfassbar nass, ein Fisch könnte darin locker einen Tag überleben.

Gegen Ende spielt Tom Jones dann Party-Pop und Rock'n'Roll – und als Zugabe „Thunderball“. In den Song ist das berühmte James-Bond-Motiv mit der Sexte genial eingebaut, und das heizt die Spannung noch mal an, als es auf den Schlusston zugeht. Den aber singt Tom Jones dann doch lieber nur ein Viertel so lang wie auf Platte. Dafür geht er dann aufrecht und munter von der Bühne. Unter frenetischem Applaus.

 

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