AZ-Kommentar Willkommen in der Barbarei!

Recep Tayyip Erdogan (Mitte) beim 93. Jahrestag der Republik am Samstag am Atatürk-Mausoleum. Foto: dpa

AZ-Chefredakteur Michael Schilling über den türkischen Machthaber Erdogan.

 

Die Türkei hat seit gestern eine eigene Zeitrechnung: Die Regierung hat auf die Umstellung zur Winterzeit erstmals verzichtet. Das Land entfernt sich also zeitlich von der EU in Richtung Saudi-Arabien. Schlimmer noch: politisch erst recht. Berufsverbote, Massenverhaftungen, Gleichschaltung der Medien und nun Erdogans Ankündigung, die Todesstrafe einführen zu wollen: Willkommen in der Barbarei

Wie der Westen darüber denke, sagt Erdogan, sei ihm egal. So redet einer, der annimmt, alle im Griff zu haben. Das Fatale ist: Westliche Politiker lassen ihn einfach gewähren – solange er ihnen nur das Flüchtlingsproblem vom Hals hält. Deutschland hat Erdogans Regime allein in der ersten Hälfte dieses Jahres Waffen im Wert von 76 Millionen Euro geliefert – aber kein böses Wort.

Das ist nicht nur peinlich, sondern verlogen. Im Umgang mit der Türkei ignoriert die Bundesregierung offenbar die Mehrheitsmeinung hierzulande. Angesichts der Entwicklung in der Türkei kann es gar nicht mehr um die Frage eines EU-Beitrittes gehen, sondern nur noch um diese: Wer stoppt Erdogan, ehe es zu spät ist?

 

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