AZ-Kommentar Was der Echo vom Pulitzer-Preis für Kendrick Lamar lernen kann

Kendrick Lamar (mi.) bekam einen Pulitzer-Preis verliehen. Kollegah und Farid Bang einen Echo. Foto: dpa

Kendrick Lamar bekommt den Pulitzerpreis für sein Album "DAMN.". Die Veranstalter des "Echo" sollten sich von der Entscheidung einiges abschauen.

- Der Pulitzerpreis für den US-amerikanischen Rapper Kendrick Lamar zeigt zweierlei: Erstens, dass es neben den bekannten Auszeichungen für herausragenden Journalismus auch unbekanntere Pulitzer-Kategorien für Theater, Kunst und Musik gibt. Zweitens und viel wichtiger: Die Diskussion über Preise für Qualität ist deutlich fruchtbarer als eine über Preise, die rein nach Quantität (Verkaufszahlen) vergeben werden.

So wie unlängst wieder in Deutschland bei der Echo-Verleihung demonstriert. Beim angeblich wichtigsten Musikpreis der Branche wurden ebenfalls Rapper ausgezeichnet – allerdings nicht für ihre Kunst, sondern für ihre durch Provokation erreichten guten Verkäufe.

Kollegah und Farid Bang eint nur die Bezeichnung Rapper mit Kendrick Lamar

Kendrick Lamar wurde für sein Album "DAMN." geehrt. Laut Preisverwaltungs-Chefin Dane Canedy ist das Werk eine "virtuose Liedersammlung, vereint von seiner umgangssprachlichen Authentizität und rhythmischen Dynamik." Kollegah und Farid Bang bekamen ihren Echo für "Jung Brutal Gutaussehend 3" nur aufgrund ihrer Verkäufe. "Umgangssprachliche Authenzität" jedenfalls hat die darin enthaltene Zeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" mit Sicherheit nicht. Die heftigen Proteste darüber waren den Veranstaltern und der "Jury" egal.

Auf "DAMN." rappt Lamar über persönliche und politische Themen. Mit einer Wucht und Bestimmtheit, die man nicht unbedingt mögen muss; Lamars Kunst besteht aber darin, eben nicht nur zu provozieren (was im Rap ja durchaus ein geltendes Stilmittel ist) und den typischen Klischee-Blingbling-Rapper darzustellen. Ganz anders als Kollegah und Farid Bang. Ihr infantiles Verhalten auf der und rund um die Echo-Verleihung war dafür nur der letzte sichtbare Beweis.

Erst jetzt, im Nachhinein und nach viel Kritik, wollen die Veranstalter die Vergabepraxis des Echos überdenken. Hoffentlich haben sie nach New York geschaut. Und nehmen sich ein Beispiel. Damit in Zukunft Preisträger ihre Auszeichung auch wirklich verdienen – und über Kunst gestritten wird.

 

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