AZ-Kommentar Rückzug von Kardinal Marx: Schmerzlicher Abgang

Der Vize-Chefredakteur über den Rückzug von Kardinal Reinhard Marx. Foto: dpa

Der Vize-Chefredakteur über den Rückzug von Reinhard Marx.

 

Reformer? Mit diesem Begriff muss man vorsichtig sein, wenn’s sich um katholisches Spitzenpersonal dreht. Im Falle von Reinhard Marx und seinen Rückzug vom Vorsitz der Bischofskonferenz bleibt aber festzuhalten: Die Stimme ihres obersten Reformers, Mahners und Mediators wird den Katholiken künftig schmerzlich fehlen.

Dass allein sein – für katholische Verhältnisse ja noch bestes – Alter den Ausschlag dafür gibt, wie Marx ins Feld führt? Weitaus triftiger dürfte sein Abnutzungskampf gegen die konservativen Gegenreformer in den eigenen Reihen sein, allen voran gegen die bayerischen Bischöfe unter dem Passauer Hardliner Stefan Oster sowie Teile der Kurie und deren offene Ablehnung einer verstärkten Ökumene wie auch des eingeschlagenen Synodalen Wegs, etwa zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

Der Abgang von Reinhard Marx ist schmerzlich

Ein Weg, der, wenn man so will, nichts anderes ist als ein vorsichtiger Versuch der Demokratisierung einer hierarchischen, verkrusteten Männergesellschaft unter Einbeziehung kirchlicher Laien. Ein Weg, den Marx richtigerweise als alternativlos betrachtet, um verspieltes Vertrauen der Gläubigen zurückzugewinnen – ohne freilich gleich alles in Frage zu stellen.

Wenn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm jetzt dessen Rückzug bedauert und von "echter Freundschaft" spricht, sagt das schon sehr viel.

Kein Zweifel, Marx’ Abgang ist schmerzlich. Dass er dem Erzbistum München und Freising als Bischof erhalten bleibt, bleibt ein kleiner Trost.

 

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