AZ-Kommentar Organspenden: Wo ist das Problem?

AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über die Organspende-Debatte.## Foto: Daniel Maurer/dpa

AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über die Organspende-Debatte.

 

Organspende in Deutschland? Ein Trauerspiel. Mehr als 9000 Menschen warten auf ein neues Organ, nicht mal 1000 haben eines gespendet, rund 2000 sterben pro Jahr auf der Warteliste. Zahlen, die hinreichend belegen, dass die derzeit gültige Zustimmungslösung gescheitert ist. Ein "Weiter so" kann es also nicht geben.

"Man braucht nur ein Mal 'Nein' sagen"

Das Hauptargument der Gegner der Widerspruchslösung: Die Lösung setze darauf, dass sich die meisten Menschen nicht mit dem Thema beschäftigen, sondern schweigen würden? Und ein Schweigen nicht als Zustimmung gewertet werden kann? Läuft meines Erachtens ins Leere. Jeder, der kein Organspender sein will, der sich (noch) nicht damit beschäftigen will oder weiteren Informationsbedarf sieht, braucht ja bloß eines zu tun: ein Mal Nein zu sagen. Eigentlich nicht zu viel verlangt. Tut er das, hat er mit dem Thema Organspende nie wieder etwas zu tun. Tut er dies nicht, will er entweder aus einem Akt der Nächstenliebe Spender sein und einem anderen Menschen das Leben retten – oder es ist ihm ganz offensichtlich egal, was mit seinen Organen geschieht. In beiden Fällen wird die freie Selbstbestimmung des Individuums nicht tangiert: Jeder hat die freie Wahl. Also: Wo liegt hier das Problem?

 

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