AZ-Kommentar Neues Rammstein-Video: Perverse Eigenwerbung

Muss das neue Video vom Rammstein wirklich sein? Robert Braunmüller kritisiert "Deutschland". Foto: dpa/Britta Pedersen

Kulturrredakteur Robert Braunmüller kommentiert das neue Rammstein-Video.

Es wäre besser, es zu verschweigen. Denn Aufmerksamkeit ist das Einzige, nach dem diese Band giert. Ein auf Youtube veröffentlichtes Video zeigt Mitglieder von Rammstein in KZ-Häftlingsgewand mit Stricken um den Hals am Galgen. Am Ende des etwa 30 Sekunden langen Clips erscheint das Wort "Deutschland" in Fraktur.

Womöglich ist das sogar kritisch gemeint. Aber es fügt sich in den Trend, den NS-Terror in beliebiges Spielmaterial der Popkultur zu verwandeln. Es begann vor vielen Jahren mit dem Musical "Cabaret" und Filmen der Italienerin Liliana Cavani. Und weil das Kokettieren mit dem Nazi-Grusel regelmäßig für Aufmerksamkeit und Kasse sorgt, hört es auch nicht auf. Der Kitsch-Roman "Stella" von Takis Würger ist das jüngste Beispiel dazu.

Neues Rammstein-Video "Deutschland" in der Kritik

Neues, gar Originelles lässt sich dazu nicht sagen. Daher sei hier Iris Rosenberg zitiert. Die Sprecherin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem antwortete, zu dem Rammstein-Video befragt, dass eine respektvolle künstlerische Darstellung des Holocaust legitim sei, nicht aber dessen Instrumentalisierung als bloßes Werkzeug, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen. Nichts anderes macht Rammstein, ganz unabhängig davon, ob die Bandmitglieder in dem Video nun jüdische, deutsche oder andere Häftlinge darstellen. Es ist einfach nur billige, perverse Reklame.

Um 18 Uhr veröffentlichte die Band Rammstein das vollständige neue Video zu "Deutschland" auf Youtube:

 

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