AZ-Kommentar Moschee ja - aber ohne Katar!

Irakische Christen auf der Flucht vor der ISIS-Terrormiliz. Die Extremisten sind unter anderem vom Emirat Katar unterstützt worden. Foto: dpa

Das Emirat am Golf will das Münchner Islamzentrum finanzieren. Bis vor kurzem hat es die im Irak mordende Terrormiliz ISIS unterstützt. Das ist unvereinbar, findet AZ-Vize Timo Lokoschat.

 

In einer Weltstadt wie München spricht nichts gegen eine repräsentative und internationale Moschee. Die Proteste, die dagegen geführt werden, sind in ihrer jetzigen Form bedauerlich, liefern sie doch oft falsche Fakten, darunter Grafiken, die bewusst irreführen, zum Beispiel populistisch Standort und Größe des längst nicht beschlossenen Projekts verzerren, so tun, als würde die Frauenkirche demnächst im Schatten eines gigantischen Klotzes verschwinden.

Das Argument, dass es in islamischen Ländern keine christlichen Gotteshäuser gebe, ist zudem sachlich falsch. Abgesehen davon: Seit wann müssen wir uns bei Bauvorhaben am Nahen Osten orientieren?

Und doch gewinnt ein Kritikpunkt, der auch von bürgerlichen Parteien geäußert wurde, durch die derzeitigen Geschehnisse im Irak neue Aktualität: die Finanzierung.

Das Münchner Islamzentrum (ZIEM) soll zu einem großen Teil aus Katar gesponsert werden, aus dem sunnitischen Golfemirat, das zuletzt ein anderes, nun ja, Großprojekt ermöglicht hat: ISIS, also jene Terrorgruppe, die derzeit in einem beispiellosen Vernichtungsfeldzug Gegner und Andersgläubige abschlachtet.

Inzwischen ist die Terrormiliz in der Lage, sich selber zu finanzieren – Starthilfe soll es aus Katar gegeben haben.

Das wirft Fragen auf, gerade auch im Hinblick auf das Münchner Islamzentrum: Ist Katar wirklich der richtige Geldgeber? Ist ein Land, in dem Menschenrechte konsequent missachtet werden, Homosexualität verboten ist und Frauen als Menschen zweiter Klasse gelten, nicht genau der Falsche, wenn es darum geht, ein Zentrum zu bauen, in dem das Gegenteil, nämlich ein weltoffener Islam, gepredigt werden soll?

Und wenn Katar spendet, wird es dann nicht wie fast jeder Finanzier dieser Erde nach dem Motto „Wer zahlt, schafft an“ handeln, also auch inhaltliche Mitspracherechte fordern?

Dass eine Fußball-Weltmeisterschaft diesem Land, einem Sponsor des Schreckens, zugeschanzt wurde, ist schlimm genug und eigentlich eine Prüfung wert. Zum Glück wird München nicht durch die Fifa regiert.

 

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