AZ-Kommentar Klitschko: Der König seiner Ära

Das Ende einer eindrucksvollen Karriere: Wladimir Klitschko hört mit dem Boxen auf. Foto: dpa

AZ-Sportchef und Box-Experte Matthias Kerber über das Karriereende von Wladimir Klitschko.

 

Acht, neun, zehn! Wladimir Klitschko hat den letzten Gong für seine Karriere selber geläutet. Das Box-Märchen hat nach 27 Jahren als Faustkämpfer sein Ende gefunden. Es ist die Geschichte eines Jungen, der kein geborener Kämpfer war, wie Wladimir zugegeben hat. Er war ein Schauspieler, der sich als Boxer ausgab.

Wladimir kämpfte gegen seine Gegner und sein Naturell. Letzteres zu bezwingen, war sein größter Kampf – und sein größter persönlicher Triumph. Der kleine Klitschko, wie er damals genannt wurde, holte sich Gold bei den Olympischen Spielen 1996. Danach wurde er Profi und eroberte als Ukrainer die Herzen der Deutschen. Er holte sich den WM-Titel, wurde als der neue Muhammad Ali gefeiert. Aber das Boxen liebte er nicht.

Er hasste es, getroffen zu werden. So boxte er auch. Er war nie ein Joe Frazier, der bereit war, zwei Schläge zu nehmen, um einen zu landen. Erst nachdem er nach der Niederlage gegen Corrie Sanders im Jahre 2003 zu Box-Professor Emanuel Steward gewechselt war, wurde Boxen für ihn zur amourösen Beziehung.

Klitschko ist einer der ganz Großen der Box-Historie

Klitschko war ein Schachspieler im Ring, ein Chirurg, der seine Kontrahenten mit Präzision seiner Stahlhammer-Fäuste sezierte. Er wird als einer der ganz Großen des Boxsports in die Geschichte eingehen. 69 Profikämpfe, er gewann 64 davon. 54 durch K.o. – seine Knockout-Quote ist besser als die von Box-Monster Mike Tyson. Er war zwei Mal Weltmeister, dominierte fast ein Jahrzehnt das Schwergewicht nach Belieben.

Er war sicher nie der aufregendste Fighter, aber anders als die professionellen Neider in ihrer Fake-News-Mentalität behaupten, ist er keinem Gegner aus dem Weg gegangen. Er war der König seiner Ära. Es war nicht die stärkste Epoche des Schwergewichts, aber die gleichen Vorhaltungen hat man auch einem Joe Louis, einem Mike Tyson gemacht, ehe die Verklärung eingesetzt hat.

Mit sein größter Sieg war eine Niederlage. Als Klitschko im April vor 90.000 Fans im Wembley-Stadion mit seinen 41 Jahren versucht hat, Gevatter Zeit und Weltmeister Anthony Joshua zu besiegen. Er hatte den Champ am Boden – alles, was fehlte zum ultimativen Triumph, war ein weiterer Treffer. Der kam aber nie. Dafür ging Klitschko zu Boden. Doch als er dann als offizieller Verlierer feststand, hatte er sich endlich den Respekt, die Anerkennung verdient, die ihm in den Siegen oft verwehrt war.

Er tritt jetzt als Champion der Herzen ab.

 

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