AZ-Kommentar Geisterspiel für 1860: Richtige Strafe zum falschen Zeitpunkt

Leere Ränge: Im Spiel gegen Nürnberg II wird der TSV 1860 München vor leerem Haus spielen müssen. Foto: dpa

Der TSV 1860 München muss nach den Ausschreitungen in der vergangenen Saison am fünften Spieltag vor leeren Rängen spielen. Eine angemessene und doch falsche Strafe, meint AZ-Online-Vize Christoph Elzer.

 

Eigentlich ist die Situation eindeutig: Die Löwen-Fans haben sich in Sachen Pyro-Technik immer wieder daneben benommen und sich im Relegations-Rückspiel gegen Jahn Regensburg von ihrer schlimmsten Seite gezeigt. Dafür gibt es beim DFB ein klares Regelwerk, das eigentlich gar keine andere Wahl ließ, als den TSV zu einem "Geisterspiel" zu verurteilen.

Doch so einfach ist die Situation längst nicht mehr. Seit dem 30. Mai sind rund zwei Monate vergangen, in denen zu viel passiert ist, als dass man es einfach ignorieren könnte. Auf den Abstieg folgte der "Schwarze Freitag" und seitdem ist an der Grünwalder Straße nichts mehr so, wie es mal war. Mit Mühe und Not hat sich der Verein vor der Insolvenz bewahrt und versucht nun den Neustart in der Regionalliga.

Doppelte Bestrafung für vorbildliche Fans

Und dort, im "Königreich" beziehungsweise "Vorgarten", um bei der Wortwahl der Ultras zu bleiben, präsentieren die Fans sich absolut vorbildhaft. Keine Ausschreitungen, keine Pyros – und eine Polizei die voll des Lobes für die Löwen ist: "Vor Ort konnte festgestellt werden, dass die Fans sehr bemüht waren, einen friedlichen und ruhigen Verlauf des Spiels auf den Rängen zu gewährleisten", heißt es in einer Mitteilung nach der Heimpremiere gegen Burghausen. Vor dem Spiel konnte sogar beobachtet werden, wie ein Fan, der eine Glasflasche fallen ließ, von anderen dafür gescholten wurde und die Splitter aufsammeln musste.

In dieser Situation – Bilderbuch-Fans und Insolvenz-Gefahr – ist das Geisterspiel eine Doppelbestrafung, die alle Beteiligten aktuell nicht verdient haben. Die Fans müssen draußen bleiben, die Spieler auf Unterstützung von den Rängen verzichten. Das ist ohnehin schon hart. Aber für den derzeit so finanziell angeschlagenen TSV sind die ausbleibenden Einnahmen eine zusätzliche Belastung.

Es mag sein, dass Geldstrafen Vereine oft nicht allzu sehr treffen. Doch die Regionalliga-Löwen sind kein Krösus wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund. Eine Geldstrafe hätte dem Verein ordentlich weh getan und sicherlich Wirkung gezeigt. Man hätte sie zudem für einen guten Zweck einsetzen können, was der Maßregelung zusätzlich Sinn verliehen hätte.

Eine zusätzliche Bestrafung der Fans - gerade jetzt, wo alles so perfekt läuft - hätte es da eigentlich nicht mehr gebraucht. Oder man hätte sie zumindest zur Bewährung aussetzen können.

 

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