AZ-Kommentar Die Löwen sollten ihre Chance endlich verwerten

Die Geschäftsstelle des TSV 1860. Foto: dpa

Die Drehtür beim TSV 1860, über der groß „Trainer“ steht, kommt nicht zur Ruhe. Ein Kommentar von AZ-Sportchef Matthias Kerber.

 

Jetzt hat es Kosta Runjaic erwischt. Den Mann, der bei den Löwen einen perspektivischen Wandel einleiten sollte, dem viele Wünsche erfüllt wurden, dem man zu Beginn seiner dreizehn Spieltage dauernden Ära eine Art Persilschein ausgestellt hat. Doch allen Kredit hatte der menschlich schwierige Runjaic schnell aufgebraucht, dazu sein Konzeptlosigkeits-Fußball, der Sechzig zwölf Punkte in dreizehn Spielen beschert hat. Also weg damit. Wie bei Sechzig üblich. Das hat Tradition beim Traditionsverein. Täglich grüßt das Murmeltier.

Wie viele Chancen brauchen die Löwen denn noch?

Wenn die Situation bei „Münchens großer Liebe“ nicht so dramatisch wäre, könnte man glatt spotten, dass die Löwen sich in Murmeltiere umbenennen sollten. Doch die Lage ist zu ernst. In den letzten beiden Spielzeiten ist Sechzig dem Abstieg jeweils nur knapp entkommen. Wie viele Chancen (und Trainer) brauchen die Löwen noch, um nach gefühlt Tausend Sackgassen in die richtige Richtung zu steuern?

Selbst wer nach dem Zufallsprinzip agiert, kann nicht immer falsch liegen. Wie lange schaut sich der abermillionenschwere Investor mit dem Hang zu impulsiven Entscheidungen das noch an? Mit viel Geld, neuen Spielern, neuem Coach und Sportdirektor hat 1860 diese Saison versucht, die Trendwende zu schaffen. Aber: das ewige Löwen-Leid! Jetzt soll’s Nichtabstiegstrainer Bierofka richten, der in der vergangenen Spielzeit die Löwen gerettet hat. Die 1860-Ikone muss wieder als Feuerwehrmann herhalten. Dabei läuft Sechzig Gefahr, auch noch den Feuerwehrmann, der ein Mann wäre, den Klub in der Zukunft zu leiten, zu verbrennen. So wie es mit der Chancenverwertung bei 1860 auf allen Ebenen aussieht, kann einem angst und bange werden.

 

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