AZ-Kommentar Corona-Haushalt: Spare in der Zeit...

Krisen-Sitzung in Zeiten von Corona: Um mehr Abstand voneinander einhalten zu können, trafen sich die Kabinettsmitglieder am Dienstag erstmals im großen Kuppelsaal der bayerischen Staatskanzlei. Foto: Peter Kneffel/dpa

Der AZ-Korrespondent Ralf Müller über den Corona-Haushalt.

 

Zu einer weitreichenden Folge der gegenwärtigen Finanzkrise wird es gehören, dass die mehr oder weniger konsolidierten Haushalte des Bundes und der Länder jetzt wieder völlig ruiniert werden. "Schwarze Null" oder "ausgeglichener Haushalt ohne neue Schulden" – das war einmal. Auch der Freistaat Bayern mit seinen vergleichsweise grundsoliden Finanzen wird sich weit mehr verschulden müssen als in der Finanzkrise 2008/2009, in der er zur Stützung der Bayerischen Landesbank zehn Milliarden Euro aufnehmen musste. 20 Milliarden Euro Schulden sind fürs Erste geplant. Das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

An der Notwendigkeit dieser Schuldenausweitung zweifelt in dieser Sondersituation niemand. Wohl aber fühlen sich diejenigen bestätigt, die auch schon vor Corona der Meinung waren, dass Sparen unnötig und Schuldenmachen in Zeiten der Null- oder Negativzinsen das Gebot der Stunde wäre. War also das Festhalten der Finanzminister im Bund, in Bayern und manch anderen Ländern an der "schwarzen Null" unnötige Selbstkasteiung? Ist jetzt sowieso alles perdu?

Nein. Der altmodische Ratschlag "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not" ist nicht ganz außer Kraft gesetzt. Man wird erleben, dass sich die Länder und Staaten, die mit halbwegs soliden Finanzen in die Krise gegangen sind, leichter mit der Bewältigung der Gesundheitskrise wie auch mit der ökonomischen Folgenbeseitigung tun. Geld schießt nicht nur Tore, es kann auch Schutzmasken, Beatmungsgeräte und medizinisches Know-how kaufen – und wichtige Unternehmen retten.

 

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