AZ-Kommentar Bundeswehr und ihre Skandale: Forsche Aufklärerin

AZ-Korrespondent Marcus Sauer über die Defizite der Bundeswehr - und was Ursula von der Leyen dagegen tun will. Foto: AZ/dpa

Der Bundeswehr fehlt die nötige Sensibilität im Umgang mit Rechtsextremismus. Die Verteidigungsministerin schaut nun selbst nach und gibt sich als Chefaufklärerin - ein Kommentar von AZ-Korrespondent Marcus Sauer.

 

Jetzt ist die Verteidigungsministerin wieder ganz in ihrem Element. Während sich die Opposition noch an der Pauschalkritik Ursula von der Leyens an der eigenen Truppe abarbeitet und eine Entschuldigung verlangt, ist die Christdemokratin längst in die Rolle der forschen Chefaufklärerin geschlüpft und fährt nach Illkirch, wo der mutmaßlich rechtsextreme Leutnant Franco A. stationiert war.

Eigentlich sollte sie dafür ihre Leute haben, doch sie macht sich lieber selbst ein Bild von der Lage vor Ort. Ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sie ihrem Apparat misstraut. Womöglich zu Recht. "Ich hätte früher und tiefer graben müssen", hat die Ministerin selbstkritisch mit Blick auf die vielen Skandale der Bundeswehr gesagt.

Schlechte Nachrichten? Nicht erwünscht

In der Tat gibt es nicht überall in der Truppe die nötige Sensibilität im Umgang mit rechtsextremem Gedankengut und sonstigen Verfehlungen. Anders ist kaum zu erklären, dass nicht früher gegen Franco A. vorgegangen wurde. Kritik an zweifelhaften Aufnahmeritualen, Mobbing und sexuellen Übergriffen wird häufig als übertrieben wahrgenommen.

Die Opfer sollten sich nicht so anstellen, heißt es oft. Vergehen werden nicht mit dem nötigen Nachdruck aufgeklärt, nach „oben“ gemeldet und verfolgt. Daran allerdings ist die Ministerin nicht unschuldig. Denn in der Bundeswehr bis hin in die Generalität hat sich das ungute Gefühl ausgebreitet, dass Kritik und schlechte Nachrichten nicht erwünscht sind.

 

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