AZ-Kolumne Über Schläge und Zuhälter: Er war Türsteher vom P1

Die gute, wilde Zeit: Klaus Gunschmann vorm P1. Hier stand er 20 Jahre Nacht für Nacht – erst als Türsteher, dann als Geschäftsführer. Foto: Kaufmann

Als Türsteher vom P1 war Klaus Gunschmann die Reizfigur der Nacht. In der AZ spricht er über wilde Zeiten, Schläge und Zuhälter.

München - Das Schicksal eines Abends lag oft in seinen Händen. Klaus Gunschmann (48) war 20 Jahre lang erst Türsteher, dann Geschäftsführer vom P1 – dem Club mit der härtesten Tür Deutschlands. Nacht für Nacht entschied er über Glück und Leid. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben: „Du kommst hier nicht rein!“ (Heyne, 12,99 Euro), das am 8. Juni erscheint. Vorab sprach der jetzige Chef der Bar Lehel mit der AZ über seine Vergangenheit.

AZ: Herr Gunschmann, ist Türsteher ein Traum- oder Albtraumjob?

KLAUS GUNSCHMANN: Beides! Ich wurde geliebt und gehasst. Ich war Rausschmeißer und Reizfigur. Heute heißen Türsteher Security und schauen lediglich, ob jemand betrunken ist. Wir haben damals über den Abend im P1 bestimmt. Einerseits habe ich toll gelebt, habe in jedem Restaurant sofort einen Job bekommen. Andererseits hatte ich Angst vor Zuhältern aus Hamburg, die ich mal nicht reingelassen habe.

Wie oft mussten Sie zuschlagen?

Fünf Mal. Aber ich habe nie damit angefangen, es war immer Notwehr.

Wer wollte Sie alles bestechen, um reinzukommen?

Ha! Da nenn’ ich lieber keine Namen. Aber es ist ständig vorgekommen, dass mir jemand 1000 Mark bot. Doch so etwas kannst du als Türsteher nicht bringen, das ist der Todesschuss. Dann verlierst du sofort den Job. Besser ist es, wenn dir ein Gast beim Gehen 50 Euro in die Hand drückt. Als Trinkgeld.

Wie wurden Sie Türsteher?

Reiner Zufall. Ich habe im Zoozie’z als DJ aufgelegt – eines abends auch im P1. Da war der Türsteher krank und ich bin eingesprungen.

Wird man als Türsteher reich?

Ich war damals, 1986, Student, habe Kommunikationswissenschaften studiert. Für einen Abend gab’s 100 Mark. Aber es war eine lustige, verrückte Zeit, die ich nicht missen will.

Wie haben Sie die vielen langen Nächte überstanden?

Mit viel Cola. Ich trinke keinen Alkohol, nehme auch keine Drogen.

Wie sehr hat sich die Club-Kultur in München verändert?

Komplett. Früher ist man abends Essen gegangen, dann noch auf einen Drink ins Schumann’s und ab ein Uhr nachts in einen der vier bis fünf angesagten Clubs gefahren.

Und heute?

Die Leute zwischen 25 und 45 Jahren gehen in Lokale wie das H’ugo’s, Cavos, Kytaro, Heart oder zu uns in die Bar Lehel. Essen dort was und tanzen später auf den Tischen. Solche Party-Restaurants gab es früher überhaupt nicht. Wenn ich heute ins P1, Drella oder die 089-Bar gehe, kenne ich da keinen Menschen. Wenn ich im H’ugo’s bin, grüße ich jeden zweiten Gast.

Gibt es Tricks, um es in einen angesagten Club zu schaffen?

Generell gilt: freundlich sein, nicht zu sehr aufbretzeln. Das ist nie cool. Lieber im Alltags-Look kommen. Ein netter Satz wie „Ich bin zum ersten Mal hier, ist es ok, wenn ich mich drinnen mal umschaue?“, hilft. Bloß nicht am Freitag oder Samstag zwischen 1.30 und 3 Uhr irgendwo hingehen. Da wartet man Stunden – vergeblich. Besser kurz vor Mitternacht – oder ab 3 Uhr, da geht immer was.

Sind Sie mal an einer Tür gescheitert?

Ja, im P1. Als ich das erste Mal mit 20 da war, hat mich der Türsteher nicht mal mit seinem Hintern angeschaut.

 
 

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