AZ-Kinokritik "Hustler" mit Jennifer Lopez : Wer zahlt, schafft nicht an!

Verstehen sich blind: Ramona (Jennifer Lopez) und Destiny (Constance Wu). Foto: Universum Film

"Hustler": Stripperinnen drehen den Spieß um und zeigen die US-Gesellschaft als ein perverses Casino des Lebens.

 

"Macht dich Geld nicht geil?" fragt Stripperin Ramona die Anfängerin Destiny (Constance Wu) und wühlt in den ihr von Männern zugeworfenen Dollarscheinen. Mit ihrer Akrobatik und Erotik im strassbesetzten String ist sie der Star im "Moves", dem angesagten Strip-Club Manhattans. Bald nimmt sie sich des naiven Mädchens an und lehrt sie, Kunden nach ihren Schuhen und Uhren zu taxieren: wichtige Hinweise auf deren Konto.

"Hustler": Eine wahre Geschichte

Gemeinsam kassieren sie Männer ab, 2007 war das beste Jahr. Der Finanzcrash ein Jahr später lässt den lukrativen Handel zwischen Pole-Tänzerinnen und Wall-Street-Spekulanten schwächeln. Aber Arbeiten im Jeans-Shop ist nicht Ramonas und Destinys Ding. Mit zwei anderen Mädels starten die beiden ein neues Geschäftsmodell, bei dem am Wochenende schon mal 100 000 Dollar rausspringen: Die Typen mit einem Drogenmix betäuben, ihre Kreditkarten bis zum Limit belasten, dann die Typen ins Taxi und ab nach Hause verfrachten. Bis die Sache platzt…

Regisseurin Lorene Scafaria ließ sich bei ihrem Ausflug in die funkelnde Halbwelt und ihre Abgründe durch einen Artikel aus dem New York Magazine über das real existierende Damenquartett inspirieren. Als Rahmenhandlung dient ein Interview mit Destiny, die erzählt, wie sie dem "Dollarpfad" gefolgt ist.


Da wird weibliche Solidarität und Freundschaft gefeiert, fürsorgliches Muttersein, Überlebensstrategie und Emanzipation als Lust am Luxusshopping – mit Chinchillamäntelchen zu Weihnachten oder Louboutin-Pumps und ein Perlenkettchen für die Großmama.

Das Vorbild bekam keinen Cent und klagt jetzt

Wie die Damen den Spieß umdrehen, nicht mehr Ware und Opfer sind, sondern die Kerle, befriedigt vielleicht ein emanzipiertes Gerechtigkeitsbedürfnis. Aber die ständige Wiederholung von Anmache und Abzocke langweilt, die Masche ist zu schnell durchschaubar. Es gibt Szenen, in denen man Einsamkeit spürt, Verzweiflung und Wut.
Wenn Destiny anfangs auf dem von dem durch die billige osteuropäische Konkurrenz dominiert Markt nach einem Blowjob inklusive Demütigung statt drei Hunderter nur drei Zwanziger bekommt, versteht man die spätere Härte den Kunden gegenüber, die die Ladies lachend schon mal in den Bankrott treiben.

Männer haben ihr Hirn in der Hose, sind geil und dämlich, Frauen haben Familiensinn, sind geldgeil und clever: diese Botschaft ist allerdings ziemlich fragwürdig und banal. Schade, dass sich die unterhaltende Mischung aus Krimi, Drama und Komödie nicht mit den tollen Darstellerinnen zufrieden gibt, allen voran eine charismatische Jennifer Lopez als strahlende Dancing Queen und Vamp, die auf High Heels durchs Leben stöckelt. Dazu visuelle Pracht, rasante Tanzszenen, Erotik und Glamour - das hätte für prickelnde Kinostunden gereicht, statt die Show noch mit platter Gesellschaftskritik zu unterfüttern.

Die Ironie dabei: Laut US-Filmfachblatt "Variety" soll die echte Stripperin, die als Vorlage für Ramona diente, nicht einen Cent von den Produzenten erhalten haben und mit einer Klage drohen. Am Ende möchte man trotzdem J.Lo zustimmen: "Diese Stadt, dieses ganze Land ist ein Strip-Club. Auf der einen Seite sind die Leute, die mit dem Geld werfen, auf der anderen Seite die Menschen, die dafür tanzen".
   
Kino: Cinemaxx, Mathäser sowie Gloria (auch OV), City (OmU), Museum (OV)
B&R: Lorene Scafaria
(USA, 110 Min.)

 


 
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