AZ-Interview zum TSV 1860 Ex-Löwe Kai Bülow: "Sechzig darf ruhig durchmarschieren"

Am Samstag Gegner: Die Löwen um Adriano Grimaldi (Mi.) und Kai Bülow von Hansa Rostock. Foto: AZ/sampics/Augenklick/imago/foto2press

Hansa Rostocks Kai Bülow spricht in der AZ über seine Zeit bei Sechzig, den Kampf um den Aufstieg in der Dritten Liga - und Löwen-Coach Daniel Bierofka: "Wenn er so weitermacht, wird er Bundesliga-Trainer."

München/Rostock - Es war eine lange Zeit: Zwischen 2010 und 2017 spielte Kai Bülow für den TSV 1860, bewahrte die Löwen 2015 mit seinem Treffer in der Nachspielzeit der Relegation vor dem Abstieg.

Seit dieser Saison steht der 32-Jährige bei Hansa Rostock unter Vertrag - und trifft am Samstag mit den Mecklenburgern auf den alten Arbeitgeber aus Giesing (14 Uhr, im AZ-Liveticker). Vor dem Gastspiel der Sechzger sprach der Abwehrroutinier über bewegte Jahre an der Grünwalder Straße. Und er erklärte, warum es Löwen-Coach Daniel Bierofka seiner Meinung nach bis nach ganz oben schaffen wird.

Herr Bülow, schon in Ihrer Zeit beim TSV 1860 schwärmten Sie oft von Ihrer Heimat an der Ostsee. Wie schön ist es, nach acht Jahren im Süden wieder zu Hansa Rostock zurückgekehrt zu sein?
KAI BÜLOW: Sehr. Das ist eine Herzensangelegenheit für mich. Hier ist meine Heimat, ich bin bei Hansa ausgebildet worden und jetzt sehr froh und stolz, das Trikot wieder tragen zu dürfen. Hier will ich noch ein paar Jahre spielen, bevor ich meine Karriere beende – und meinen Teil dazu beitragen, dass wir Erfolg haben.

"Bei Sechzig hatte ich viele Trainer"

Was bleibt von Ihrem Wirken beim TSV 1860, wo Sie immerhin zwischen 2010 und 2017 unter Vertrag standen?
München ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe mich als Mensch und Sportler weiterentwickelt. Ich durfte dort die Geburt meines Kindes erleben. Bei Sechzig hatte ich viele Trainer, von denen ich viel lernen durfte. Es waren vier schöne und drei chaotische Jahre.

Woran machen Sie diese Unterscheidung fest?
In den ersten vier Jahren hatten wir mehr personelle Konstanz in der Mannschaft – Kollegen, mit denen man sich einspielen konnte. Auch die Trainer durften etwas längerfristig arbeiten (Reiner Maurer und Alexander Schmidt, d. Red.). Wir waren öfter oben dabei, aber den Aufstieg, den letzten Schritt, haben wir leider jedes Mal verpasst.

Warum hat es nie zur Rückkehr in die Bundesliga gereicht?
Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir es anders gemacht. Es kommen viele Faktoren zusammen, da gehört auch Glück dazu. Wir konnten öfter oben angreifen, aber in den entscheidenden Momenten hat immer der entscheidende Schritt gefehlt.

Was folgte, waren die Jahre der Abstiegsängste.
Mit dem Einsteigen von Sportchef Gerhard Poschner und Trainer Ricardo Moniz wurde dann eine neue Transferpolitik verfolgt, die mutig, aber leider nicht von kurzfristigem Erfolg gekrönt war. Der Verein und Investor Hasan Ismaik haben dann leider eine langfristige Strategie aus den Augen verloren und sich zunehmend von Emotionen leiten lassen, was zu vielen personellen Umbrüchen in kürzester Zeit geführt hat.

"3-D-Figur im Wiesn-Trikot"

Da musste schon ein Kai Bülow kommen und seinen Fuß hinhalten, als die Löwen so gut wie abgestiegen waren. Ihr Siegtreffer in der Nachspielzeit des Relegationsrückspiels gegen Holstein Kiel dürfte nach wie vor ein unvergessenes Highlight sein.
Klar, damit sind mit die schönsten Erinnerungen verbunden. Ich habe tatsächlich von einem Freund aus München auch eine 3-D-Figur von mir im Wiesn-Trikot aus dieser Saison geschenkt bekommen, die ich damit verbinde. Das ist ein großer Teil meiner Karriere, das werde ich ein Leben lang nicht mehr vergessen. In dieser Zeit haben sich auch viele Freundschaften entwickelt.

Zu welchen Löwen haben Sie heute noch ein enges Verhältnis?
Es sind eher die Ex-Löwen: Chris Schindler, Daniel Adlung, Dominik Stahl, Vitus Eicher. Damals hat es zwischenmenschlich sehr gut gepasst. Es interessiert mich sehr, wie es ihnen geht und wo ihre sportlichen Wege hingeführt haben. Überragend, dass es Chris mit Huddersfield in die Premier League geschafft hat.

Was ist mit Trainer Daniel Bierofka, den Sie auf und neben dem Platz erlebt haben und am Samstag gegenüberstehen werden?
Ich freue mich sehr auf das Spiel, denn ich hatte noch nie die Möglichkeit, gegen einen meiner Ex-Vereine zu spielen. Daniel und ich sind auch in Kontakt geblieben, aber er hat momentan mit seinem Job und der Trainerausbildung jede Menge zu tun (lacht). Sechzigs Weg mit ihm ist eine tolle Sache: Er ist ein akribischer Arbeiter, hat sehr viel Fußballsachverstand und das Team selbst zusammengebaut. Und er ist noch relativ jung. Wenn er so weitermacht, wird er ein Bundesliga-Trainer.

Bülow: Sechzig und Bierofka wollen hoch

Sechzig und Rostock – in welche Liga gehören denn diese zwei Traditionsvereine?
Daniel Bierofka und Sechzig möchten natürlich möglichst hochklassig spielen. Als Trainer hat er einen großen Stellenwert im Verein, das ist das A und O, um Erfolg zu haben. Das traue ich ihm auch zu. Aber einfach ist das mit keinem Verein: Die Liga ist voll mit Traditionsklubs, die nur zu gerne aufsteigen würden. Wir selbst wollen sehen, uns zu stabilisieren und möglichst lange oben dranbleiben. Sechzig darf ruhig durchmarschieren, das sei ihnen gegönnt – aber nicht mit drei Punkten aus Rostock.

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