AZ-Interview zum Geburtstag Star-Regisseur Sepp Vilsmaier: "80? Ja, spinn ich!?"

Sepp Vilsmeier sprudelt nur so vor Lebensfreude. Foto: Tobias Hase

Das große Geburtstags-Gespräch: Star-Regisseur Sepp Vilsmaier über sein Leben im Unruhestand, einen fröhlichen Lebensstil und die Kraft der Liebe.

 

Er ist hellwach, schlagfertig und sprudelt vor Lebensfreude. Eigentlich schade, dass Joseph "Sepp" Vilsmaier (80) nur hinter der Kamera arbeitet – aber das äußerst erfolgreich: "Herbstmilch", "Stalingrad", "Rama dama", "Schlafes Bruder", "Marlene", "Comedian Harmonists", und und und... Heute wird er 80. Wer ihn erlebt, kann das kaum glauben. Er selbst auch nicht.

AZ: Lieber Herr Vilsmaier, ist 80 ein filmreifes Alter?
SEPP VILSMAIER: Ja, spinn ich!?, denk ich mir, wenn ich darüber nachdenke. Kruzifünferl! So alt wird doch kein alter Hund! 80 klingt so uralt, aber so fühle ich mich nicht. Ich bin supergut drauf. Also habe ich beschlossen: Die Zahl ist mir wurscht.

Trotzdem denken Sie darüber nach?
Freilich. Weil alle um mich herum durchdrehen. Das Handy klingelt seit Tagen so oft, dass ich es wohl ausmachen werde.

Sie wollen Ihre Ruhe?
Na, das auch nicht. Ruhe brauch ich nicht, davon hab ich genug, wenn ich auf dem Friedhof liege.

Vilsmaier: Fasching in München war früher wichtiger

Sie lassen es lieber krachen?
Genau, ich feiere mit meiner Lebensgefährtin, meinen drei Töchtern, engen Freunden.

Wie viele enge Freunde?
Etwa 140. Eine Faschingsparty – das hab ich mir vom Feinkost-König Gerd Käfer abgeschaut. Als er noch lebte, hat er gerne Faschingsfeste veranstaltet. Da denken die Leute früher drüber nach, was sie anziehen und sind sofort bester Stimmung. Heute ist der Fasching ja eher out, aber als ich jung war, hatte der Fasching in München einen viel höheren Stellenwert. Mit 18, 19, 20 war ich fast durchgängig verkleidet, auf so vielen Festen war ich da (lacht). Sie feiern immer noch gern.

Woher kommen Ihre Fröhlichkeit und Fitness?
Wenn ich das wüsste! Ich habe echtes Glück, so alt geworden zu sein. Denn ich lebe überhaupt nicht gesund, mache keinen Sport, kein Yoga und so. Ich esse, was mir schmeckt – und ich trinke abends gerne mein Glaserl Wein, oder auch mal zwei oder drei. Dazu rauche ich meine kleinen Stümperl.

Bei der Freundin wurde er zum Detektiv

Zigarillos?
Toscanelli. Manchmal auch eine Zigarre. Aber ich habe noch nie inhaliert. Ich bin nicht abhängig, mir schmeckt’s einfach. Genießen ist wichtig. Manchmal trink ich auch einen Saft oder esse rohes Gemüse, nicht, weil es gesund ist, sondern, weil ich Lust drauf habe. Und dann gibt’s Phasen, da ernähre ich mich zwei Wochen lang von Kaiserschmarrn.

Wie gut sind Ihre Hausmann-Qualitäten?
Ich schlag mich so durch. Zum Glück kocht meine Lebensgefährtin ganz toll.

In die Moderatorin Birgit Muth haben Sie sich vor neun Jahren verliebt. Wie haben Sie sie erobert?
Ich habe sie eines Abends in größerer Runde gesehen und dachte gleich: oh, oh, oh! Dann hab ich angefangen zu recherchieren, wie bei einem Film, wo man alles drumherum checkt. Ich bin ja so ein kleiner Detektiv. Also fand ich raus, dass sie einen Dokumentarfilm für den BR in Japan dreht und wann sie genau zurück nach München kommt und hier landet.

Sie haben sie am Flughafen überrascht?
Ja, mit einem riesigen Rosenstrauß.

Vilsmaier: "Bei Dreharbeiten tot umfallen"

Birgit ahnte nix?
Nein, null. Sie war total überrascht – aber glücklicherweise positiv. Seitdem passt es wirklich hervorragend zwischen uns. Da bin ich sehr dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Birgit gibt mir viel Kraft, genauso wie meine drei Töchter. Liebe und Zuneigung sind so wichtig, deshalb bin ich auch ein großer Fan von Großfamilien. Das man zusammen ist, auf sich aufpasst, sich austauscht. Es ist gut, dass meine Mädels auch alle nicht locker lassen, was mich betrifft. Dass sie Zeit und Energie einfordern, das hält mich am Laufen. Die würden das nicht akzeptieren, wenn ich abends stundenlang nur vorm Fernseher vor mich hindämmern würde.

Dazu Ihre Arbeit – Ruhestand wäre nichts für Sie, oder?
Nee. Irgendwann will ich am Set bei Dreharbeiten tot umfallen. Das wäre der schönste Tod, den ich mir wünschen kann. Bis dahin gebe ich Gas. Ich liebe meine Arbeit. Gerade plane ich den zweiten Teil vom Brandner Kasper: ,Der Boandlkramer und die ewige Liebe’. Ich sitze in meinem Büro in der Bavaria, schaue mir Film-Locations an, es gibt immer was zu tun.

Wie hat sich die Filmwelt verändert?
Es gibt weniger Geld.

Vilsmaier: Mein Glück hängt nicht vom Oscar ab

Auf welchen Film sind Sie besonders stolz?
Das ist wie mit Kindern. Man liebt eins nicht mehr als das andere, auch wenn sie unterschiedlich und auch mal anstrengend sind.

Schauen Sie, der mit "Tatort" anfing, heute den Kollegen zu?
Ich sag’s ehrlich: Wenn ich den Fernseher mal einschalte, schaue ich Tier-Dokus. Würde man mich in der Wildnis aussetzen, würde ich überleben. Ich weiß über Tiere mittlerweile echt viel.

Ihr Geburtstagswunsch: ein Oscar?
Hätte ich haben können mit 'Comedian Harmonists', aber ich hab das mit der Einreichfrist verdaddelt. Egal. Mein Glück hängt davon nicht ab. Ich hab 48 Preise, über die ich mich alle gefreut habe. Ein heimlicher Traum war es immer, einen Bauernhof zu haben. Landwirt hätte mich gereizt. Aber wer weiß, ein bisserl Zeit hab ich ja hoffentlich noch.

 

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