AZ-Interview zum BBL-Endspiel Michael Körner: "Die Bayern werden am Sonntag Meister"

"Bayern und Alba dominieren die Liga noch mehr als Bayern und Dortmund im Fußball", sagt Michael Körner. Foto: Andreas Gora/dpa

Basketball-Experte Michael Körner spricht in der AZ über die Playoff-Serie der Münchner gegen Alba Berlin. "Die Bayern werden am Sonntag Meister", sagt er und nennt auch seinen Favoriten als Final-MVP.

 

Michael Körner (51) kommentiert Spiel drei am Sonntag (18 Uhr) für Sport1 und Magenta Sport.

AZ: Herr Körner, die Bayern-Basketballer haben 82:77 in Berlin gewonnen und führen jetzt 2:0. Die Vorentscheidung der Best-of-Five-Finalserie um die deutsche Meisterschaft?
MICHAEL KÖRNER: Ich habe schon vor Spiel zwei gesagt, dass dies die Bewährungsprobe für Berlin ist, in der sie abliefern müssen. Wenn sie Meister werden wollen, dort zeigen müssen, dass sie das bessere Team sind. Aber das hat nicht funktioniert. Deshalb war das für mich im Grunde die Entscheidung. Sie können die Bayern jetzt nicht drei Mal in Folge schlagen. Ich wüsste nicht, wie das gehen soll, auch wenn ich mir ein Spiel fünf um die Meisterschaft wünschen würde.

Was macht den Unterschied zugunsten der Münchner aus?
Bayern hat immer eine Lösung – für alles. Und wenn ihre Verteidigung einmal eingeloggt ist, ist das schon sensationell. Sie schaffen es, Berlin das Tempo rauszunehmen. Und die ganzen Alba-Schaltzentralen, wie Luke Sikma, finden dann einfach nicht statt. Berlin findet da nur Notlösungen und muss Improvisations-Theater gegen diese Verteidigung spielen. Das machen die Bayern einfach saugut. Sie haben jetzt die beste Offensive der Liga zum zweiten Mal unter 80 Punkten gehalten. Und diese Alternativen und Variationsmöglichkeiten, die sie in der Offensive haben, hat Alba dann einfach nicht.

Körner: "Den Berlinern fehlt von der Spielanlage her ein Plan B"

Bayern wird also gleich den ersten Matchball verwandeln?
Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen: Die Bayern werden am Sonntag Meister. Ich wüsste nicht, was da jetzt großartig anders laufen soll. Im ersten Spiel hatte Berlin die Chance zu gewinnen und hinten raus Pech. Aber München hat auf alles eine Antwort gefunden. Ich glaube nicht, dass sie sich das zu Hause nehmen lassen werden.

Das würde dann einen 3:0-Finalsieg für Bayern bedeuten.
Ganz so deutlich ist der Unterschied zwischen den beiden Teams vielleicht nicht. Aber man sieht, dass den Berlinern von der Spielanlage her ein Plan B fehlt. Am Ende wird die beste Defensive deutscher Meister. Bayern ist ein Team, das defensiv gecoacht und regiert wird. Aber auch offensiv sind sie äußerst talentiert und individuell sehr stark.

Körner: "Djedovic ist immer wieder die Exit-Lösung"

Ist Bayern gegen Alba im Basketball das, was Bayern gegen Dortmund im Fußball ist?
Die beiden Teams dominieren die Liga sogar noch mehr als Bayern und Dortmund im Fußball. Beide werden nächste Saison in der Euroleague spielen und ihren Kader noch mal aufpimpen. Da sehe ich auf Dauer keine Mannschaft, die aufschließen kann. Bayern gegen Alba ist auch im nächsten Jahr, wenn nicht sogar in den nächsten Jahren, das gesetzte Finale.

Gibt es einen Spieler, der sich für die Auszeichnung zum Final-MVP empfohlen hat?
Man muss schon über Nihad Djedovic nachdenken, weil er auf beiden Seiten, also offensiv und defensiv, abliefert. In der Verteidigung muss er sich immer um den stärksten Guard des Gegners kümmern. Und vorne hat er immer wieder Möglichkeiten, selber zu kreieren. Im ersten Spiel hatte er 18 Punkte und sechs Assists. Er ist immer wieder die Exit-Lösung. So einen Typ brauchst du. Derrick Williams ist im Finale noch nicht so dominant wie bisweilen in der Euroleague. Er lebt aber auch davon, dass er ein wahnsinnig guter Eins-gegen-Eins-Spieler ist. Dem gibst du halt den Ball und er macht was draus, auch mit seiner Schnelligkeit und Athletik. Man hat ihn bei den Gegnern aber mittlerweile so ein bisschen durchschaut und weiß, um welche Schulter er sich dreht, wie er sich bewegt. Momentan ist es nicht so, dass die Bayern sagen: Wir brauchen jetzt unbedingt eine Lösung, die Derrick Williams heißt. Die letzten fünf Sekunden gehören eher Djedovic. Die Münchner sind in den Finals darum bemüht, das Tempo langsam zu machen, das kommt Williams nicht so entgegen. Er hat aber auch in Spiel zwei gezeigt, dass er richtig unter dem Korb wühlen kann. So etwas ist unglaublich wichtig.

Williams ist wieder in den Fokus der NBA gerückt. Kann Bayern ihn trotzdem halten?
Ich bin großer Fan von ihm. So ein Spieler ist für die Bayern wichtig, auch weil er so ein Fan-Favorit ist. Viele sehen einfach auch seine Abschlüsse und seine Dunkings gerne. Das ist einer, der gerne lacht und seine Emotionen zeigt. Er tut dem Gesicht der Mannschaft gut, weil er große Strahlkraft und sportlich natürlich auch noch was drauf hat. Wenn es irgendwie geht, sollte man ihn halten.

 

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